
(rm) 1926 in Breslau geboren, elf Jahre später nach Berlin übersiedelt, 1944 dann nach Wien, wo sie nach dem Krieg trotz Anfeindungen bleibt und eine Berufslaufbahn als Übersetzerin einschlägt. Das sind die Eckdaten aus dem Leben von Utta Roy-Seifert, die in ihren sehr intimen Erinnerungen ein eindrucksvolles Bild davon gibt, wie Heranwachsende die Hitlerjahre, den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt haben. Der Webfehler, auf den die Autorin im Titel ihrer Autobiografie hinweist, ist ein jüdischer Großvater, der bereits vor Hitlers Machtantritt gestorben ist, oder auch der Vater, der die Familie mit gewagten geschäftlichen Unternehmungen in Schwierigkeiten bringt. Unsentimental aber tief beeindruckend schildert Roy-Seifert die frühen Jahre in Breslau, die Kriegsjahre mit ihren Bombennächten in Berlin, Freundschaften, die an den Zeitumständen scheiterten. Mit den Nazis hatte die Familie schon aufgrund des jüdischen Großvaters nichts am Hut, er war für den "Mischling zweiten Grades" - wie es im Nazi-Jargon hieß - aber auch Grund vieles zu verschweigen. 1945 als "Deutsche" in Österreich angefeindet, fand Utta in der sozialistischen Studentenbewegung eine neue Heimat.
Utta Roy-Seifert: Der Webfehler. Limbus-Verlag, 126 Seiten, 14,90 Euro.