• vom 06.04.2009, 16:41 Uhr

Bücher-Verzeichnis

Update: 06.04.2009, 16:45 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Leserbrief



Hitler und Mandela hatten etwas gemeinsam: die seelischen Wunden

Salcher: Der verletzte Mensch


Von Katharina Schmidt
  • Das neue Werk von Andreas Salcher, Autor von "Der talentierte Schüler und seine Feinde".
  • Verletzungen: Jeder kennt sie, einige wachsen daran, andere gehen daran zu Grunde.
  • Was haben Adolf Hitler und Nelson Mandela gemeinsam? Auf den ersten Blick eindeutig nichts. Dass es doch Parallelen in den Biografien dieser beiden Personen, die das 20. Jahrhundert auf so unterschiedliche Weise geprägt haben, gibt, zeigt Andreas Salcher in seinem neuen Buch auf eindrucksvolle Weise auf.

Die Verletzungen der Kindheit können ein Hemmnis sein - oder eine Chance. Foto: corbis

Die Verletzungen der Kindheit können ein Hemmnis sein - oder eine Chance. Foto: corbis Die Verletzungen der Kindheit können ein Hemmnis sein - oder eine Chance. Foto: corbis

Der Titel ist Programm: "Der verletzte Mensch" heißt das Werk - und mit den Verletzungen, mit denen jeder Mensch im Laufe seines Lebens zwangsläufig konfrontiert wird, setzt sich der Mitgründer der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien und Autor des aufsehenerregenden Buches "Der talentierte Schüler und seine Feinde" auseinander. Im Zentrum von Salchers Arbeit steht die Frage, warum manche Menschen an ihren Verletzungen wachsen, andere aber daran zu Grunde gehen oder gar einen blinden Hass gegen sich selbst und die Welt entwickeln. Wie eben bei Mandela und Hitler: Ersterer wurde 27 Jahre lang von seinen Gegnern inhaftiert, entschied sich aber für die Aussöhnung. Letzterer wurde vom Vater gequält, von der Kunstakademie abgelehnt und entschied sich letztendlich dazu, sein Talent zum Verführen von Massen in einen Massenmord münden zu lassen. Auch Mandela hätte sich rächen können. Auch Hitler hätte sich mit der Welt aussöhnen können, so Salchers These.

NLP, Resilienz und die "Schule des Herzens"

Neben Mandela und Hitler führt Salcher noch zahlreiche andere Fälle an, in denen sich berühmte oder "ganz normale" Menschen Kratzer oder Krater auf der Seele zunutze gemacht haben, um ihr Leben in die ein oder andere Richtung zu lenken. Dabei unternimmt der Autor einen Streifzug durch die Welt der diesbezüglichen Forschung - von NLP (Neurolinguistisches Programmieren) über Resilienzforschung (Resilienz: Die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne große Schäden zu meistern) bis hin zur "Schule des Herzens", die Salcher als die "Kunst, sich selbst und andere nicht zu verletzen" beschreibt.

Gerade mit Blick auf Letzteres könnte man dieses Buch als Ratgeber zur Hand nehmen. Doch vielmehr geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Theorien der Selbstreflexion. Salcher deutet nicht mit dem Finger auf den Leser und erklärt ihm den einzig wahren Weg zur Selbsterfahrung, sondern er zeigt verschiedene Wege auf, erläutert deren Vor- und Nachteile und überlässt das Urteil weitestgehend dem Leser. Salcher macht also das, was ein guter Psychotherapeut auch tun würde.

Ressourcen liegen in der eigenen Geschichte

Und das ist, wenn man so will, wiederum das Manko des Werks: Denn wer sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt hat, der wird bei der Lektüre keine großen Überraschungen erleben. Für tiefergehende Analysen bieten die sehr kurz gehaltenen Kapitel keinen Platz.

Dies kompensiert Salcher allerdings mit Verweisen und Fußnoten, sodass eine eigenständige Weiterbeschäftigung mit den einzelnen Ansätzen sehr wohl möglich ist. Außerdem regt Salcher den Leser allein schon durch Sätze wie "der Glaube an den freien Willen ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung" oder das Zitat des dreimal an Kinderlähmung erkrankten Wegbereiters der positiven Psychologie, Milton Erickson, "die Ressourcen, die du brauchst, findest du in deiner eigenen Geschichte", zur Selbstreflexion an.

Salchers Fazit: Nicht jeder hat einen guten Start ins Leben und es gibt wohl kaum einen Menschen auf der Welt, der noch nie in seinem Leben verletzt worden ist. Doch das Prinzip "heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens" gilt für jeden, und jeder kann einen Neustart wagen. Vorausgesetzt, und das ist wohl das Schwierigste an der Geschichte, er bringt die Kraft dazu auf. So esoterisch dieser Gedanke anmuten mag, so beruhigend ist er auch, oder?
Salcher, Andreas: Der verletzte Mensch. Ecowin Verlag 279 Seiten, 19,95 Euro




Schlagwörter

Sachbuch

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)




Autoren

 A B C D E F G H I J K L M N O 
 P R S T U V W Y Z

  Sachslehner, Johannes
  Sackville, Amy
  Safiarian, Kamran
  Salcher
  Salmansohn
  Sammet, Gerald (Hg.)
  Sand, Shlomo
  Sansone / Faust
  Saphia Azzeddine
  Saramago, José
  Saramango, José
  Sarnitz, August
  Sauer, Barbara / Reiter-Zatloukal, Ilse
  Saunders, George
  Sautner, Thomas
  Saviano, Roberto
  Schache, Ruediger
  Schacherreiter, Christian
  Schad, Martha
  Schäfer, Frank
  Schafranek, Hans
  Scharang, Michael
  Scheffel, Annika
  Scheffler / Donaldson
  Scheibelreiter, Georg
  Scheit / Svoboda
  Schenkel, Andrea Maria
  Schertenleib, Hansjörg
  Scheuba, Florian / Henning, Rupert
  Scheuch
  Scheuer, Norbert
  Scheuer; Norbert
  Scheuermann, Silke
  Schickhofer Matthias
  Schilddorfer, Gerd
  Schimmer
  Schindel, Robert
  Schirhuber, Erich
  Schirrmacher, Frank
  Schischkin, Michail
  Schlaffer, Hannelore
  Schläger, Philipp
  Schlösser, Hermann
  Schlüter, Reinhard
  Schmid, Kathrin
  Schmidt, Alice
  Schmidt, Helmut
  Schmidt, Helmut / di Lorenzo, Giovanni
  Schmidt, Helmut / Stern, Fritz
  Schmidt, Kathrin
  Schmidt, Susanne
  Schmidt-Dengler, Wendelin
  Schmieder, Jürgen
  Schmitt, Oliver Jens
  Schmölzer, Hilde
  Schmundt / Vec / Westphal (Hg.)
  Schneider, Barbara
  Schneider, Irene
  Schneider, Ivo
  Schneider, Reto U.
  Schoch, Julia
  Schödl, Ingeborg
  Scholl
  Scholl-Latour, Peter
  Schönberger, Margit / Bittel, Karl Heinz
  Schönherr, Dietmar
  Schönner, Johannes
  Schönwiese, Ekkehard
  Schöpf, Alois
  Schöttli, Urs
  Schraut, Sylvia
  Schreiber (Hg.)
  Schreyer-Hartmann, Cherica
  Schrott, Raoul
  Schuh, Franz
  Schulmeister, Paul
  Schulmeister, Stephan
  Schultz, Uwe
  Schulz, Kristin
  Schume, Harald
  Schüssel, Wolfgang
  Schütte, Uwe
  Schutti, Carolina
  Schutting, Julian
  Schütz, Erhard
  Schwaner, Birgit
  Schwarz, Birgit
  Schwarz, Gerhard
  Schwarz, Otto
  Schwarzenberg / Toth
  Schwarzer, Alice (Hg.)
  Schweitzer, Eva C.
  Schwilk, Heimo (Hrsg.)
  Scott, Michael; Freedman, Colette
  Sebastián, Javier
  Sedlácek, Tomás
  Sedlaczek / Badegruber
  Sedlaczek, Robert
  Segev, Tom
  Seidel, Hagen
  Seidler, Christoph
  Seiler, Lutz
  Seitz, Volker
  Sen, Amartya
  Sertl, Franz
  Seth, Vikram
  Setz, Clemens J.
  Shalev, Zeruya
  Shamir, Igal
  Shapton, Leanne
  Sherwood, Ben
  Shlaes, Amity
  Sick, Bastian
  Sickinger, Hubert
  Siegel, Steffen
  Sikseck, Ayman
  Simon, Hermann
  Simpson, Helen
  Sinn, Hans-Werner
  Sklenitzka
  Skwara, Erich Wolfgang
  Slater, Robert
  Sloterdijk, Peter
  Small / Vorgan
  Smid, Stefan
  Snyder, Gary
  Solèr, Pia
  Solnit, Rebecca
  Sommer, Amaryllis
  Sommer, Theo
  Sommerer, Amaryllis
  Sonnleitner, Walter
  Sorg, Eugen
  Sorge, Helmut
  Sorkin
  Soros, George
  Sotschek, Rolf
  Spiel, Hilde
  Spies, Werner
  Spinnen, Burkhard
  Spiritova, Marketa
  Sprengel, Peter
  Spring, Claudia Andrea
  Spurlock, Morgan
  Stach, Reiner
  Stamm, Peter
  Stanger-Ross, Ilana
  Stangl, Thomas
  Stankowa, Maria
  Stark / Magin (Hg.)
  Starr, Jason
  Stasiuk, Andrzej
  Staud
  Stavaric, Michael
  Stefánsson
  Steffen (Hg.)
  Steinbacher, Sybille
  Steinbrück, Peer
  Steiner, Franz
  Steiner, Hans
  Steiner, Wilfried
  Steiner-Gashi
  Steingart, Gabor
  Steinmeier, Frank-Walter
  Steinwendtner, Brita
  Stelly, Gisela
  Stelzig, Manfred
  Stelzl-Marx, Barbara
  Stenebo, Johan
  Stengel, Richard
  Stermann / Kada
  Stern, Steve
  Stevenson, Robert Louis
  Stiegler, Bernd
  Stift, Andrea
  Stift, Linda
  Stiglitz
  Stilett, Hans
  Stiller
  Stolz / Häntzschel
  Straub, Johanna
  Strauß, Botho
  Strauß, Ströhle (Hrsg.)
  Strebel, Ernst
  Streeruwitz, Marlene
  Streit, Philip
  Strejcek, Gerhard (Hrsg.)
  Strelka, Joseph P.
  Strich, Christian (Hrsg)
  Strobel, Bernhard
  Strout, Elizabeth
  Suchy, Irene
  Sullivan, John Jeremiah
  Sulzer, Alain Claude
  Suppan / Mueller (Eds.)
  Suter, Martin
  Svastics
  Swift, Graham
  Syed, Matthew
  Szalowski, Pierre
  Szyszkowitz, Tessa

Werbung




Werbung