
In Israel ist er eher unpopulär - im Ausland gern gesehen. Die Rede ist von Shimon Peres, dem heutigen israelischen Staatspräsidenten, Friedensnobelpreisträger, der zugleich Vater des israelischen Atomwaffenprogramms ist. Es war das Jahr 1955, als der 1923 in Wischnewa/Polen geborene und später nach Palästina ausgewanderte Peres vom damaligen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion mit der Entwicklung der nuklearen Kapazitäten des jungen Staates Israel beauftragt wurde.
Im Ausland gilt der mehrmalige Vorsitzende der israelischen Arbeiterpartei, der Ende 2005 zur Kadima-Partei wechselte, heute als Staatsmann und "Vater des Neuen Nahen Ostens" - als Hoffnungsträger und Befürworter israelisch-arabischer Annäherung.
Das Bild trüge, meint Tamar Amar-Dahl, israelische Historikerin, die seit 2006 in Deutschland lebt. Mit der hier vorgelegten politischen Biografie über das politische Denken jenes Shimon Peres versucht sie dieses Bild zurechtzurücken. Peres ist einerseits der Mann, der "nie auf dem Schlachtfeld gekämpft hat", und andererseits der militärisch denkende Sicherheitspolitiker, der Krieg als Mittel zur Konsolidierung nationalstaatlicher Unabhängigkeit versteht. Peres könne nach Meinung der Autorin keinesfalls als ein Friedenspolitiker bezeichnet werden, was sich vor allem im Oslo-Prozess offenbart habe, als er die Chancen für einen Frieden mit den Palästinensern ungenutzt verstreichen ließ. "Hätte er an das Zweistaatenkonzept wirklich geglaubt, so hätte er diese Chance ergreifen müssen", kritisiert sie.
Der Friedensideologie, die besagt, dass der moderne Staat Israel friedenswillig sei und die Araber als solche seine Existenz gefährdeten, komme dabei eine zentrale Rolle zu: "Sie dient als Schleier zur Durchsetzung eigener Interessen, die Peres als nationalstaatliche bzw. sicherheitspolitische und daher unverzichtbare Interessen begreift", so Amar-Dahl. Für die Autorin ist Peres stets ein Zionist geblieben. Es bleibt dem Urteil des Lesers überlassen, ob jedoch dieses hier skizzierte Bild dem Menschen und Politiker Shimon Peres wirklich gerecht wird.
Der Gründungsmythos Israels - eine Erfindung: Der 1946 als Kind polnischer Juden in Linz geborene israelische Historiker Shlomo Sand geht mit der Geschichte Israels und dem Zionismus heftig ins Gericht. In seinem in Israel äußerst kritisch aufgenommenen Buch stellt er den - seiner Meinung nach - auf Legenden beruhenden Alleinanspruch auf das Gelobte Land in Frage. Das Judentum, so Sand, sei eine religiöse, keine ethnische Gemeinschaft. Wenn überhaupt, seien eher die Palästinenser als die aus Europa eingewanderten Juden ethnische Nachkommen der biblischen Israeliten, meint er provokant.
Die Hoffnung, die ihn angetrieben hat, dieses Buch zu schreiben, ist ein moderner pluralistisch ausgerichteter israelischer Staat, der nicht nur den Juden allein gehört, sondern der Repräsentant aller seiner Bürger, auch der Araber, ist, die innerhalb seiner anerkannten Grenzen (ohne die besetzten Gebiete) leben. Dem ist nur zuzustimmen.
Shlomo Sand: Die Erfindung des jüdischen Volkes - Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand. Propyläen Verlag, 506 Seiten, 25,70 Euro.