• vom 06.05.2011, 14:33 Uhr

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Update: 06.05.2011, 14:34 Uhr
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Uneitle Selbsterforschung

Schacherreiter, Christian: Diese ernsten Spiele


Von David Axmann
  • Christian Schacherreiters Kindheitserinnerungen.

Bewundernswert ist vieles (heißt es in einem apokryphen Drama-Fragment des Sophokles), der Bewundernswerteste von allen jedoch sei der Mann, welcher sich selbst genau einzuschätzen weiß. "Ich bin Gebrauchsliterat und Satiriker, schreibe vorwiegend Sachtexte und nur selten kleine literarische Arbeiten. Witz und eine gewisse Intelligenz der Weltsicht sind wahrscheinlich das Beste, was sie zu bieten haben." So beschreibt Christian Schacherreiter sich selbst. Bewundernswert genau.

Der Mann, geboren 1954, seit 1978 AHS-Lehrer, seit 2002 Direktor eines Linzer Gymnasiums, zudem seit den achtziger Jahren schriftstellerisch tätig, etwa als Kolumnist, Literaturkritiker und Verfasser sprachdidaktischer Werke, legt hier mit uneitler Freimütigkeit die Ursachen und Motive seiner Lebensentwicklung bzw. -gestaltung offen: in der Absicht, seine unauffällige Kindheit als Dokument eines Generationszustands zu begreifen, und im Bewusstsein, dass das Festhalten von Erinnerung als ein ernstes Spiel zu verstehen sei.

Schacherreiters (hier nebst einigen naheliegenden Abstechern in spätere Zeiten beschriebene) Kindheit war eine österreichisch, ja mehr noch: oberösterreichisch provinzielle. Als Sohn eines Gendarmen und einer Buchhalterin wuchs er die ersten neun Jahre in dem Dorf Pramet auf; dann übersiedelte die Familie in die Stadtgemeinde Ried im Innkreis, wo der Bub die Mittelschule besuchte.

"Mein Lebensbild ist bildungsbürgerlich", sagt der selbsterforschungsmutige Autor, welcher auch in den Jugendjahren seines linksgerichteten politischen Engagements sich im Grunde seines Herzens bourgeois verhielt: "Eine Nacht ohne Dusche und Leintuch war für den jungen Revolutionär schwer erträglich. Ich blieb - allen radikalen Sprüchen zum Trotz - im Leben ein Bürger."

Was Schacherreiter von seiner frühen Lust am Fußball- und Geigespiel, seiner Freude am Bücherlesen, seiner Verehrung für Old Shatterhand und vom dauerhaften Schweigen der Erwachsenen zum Thema Krieg und Nazis zu berichten weiß, weckt durchaus vergleichbare eigene Kindheitserinnerungen. Und seine aus jahrzehntelanger Lehrtätigkeit gespeisten Anmerkungen zu Bildungsreform und Schulpolitik sind profunder und ehrlicher als die phrasenreichen Proklamationen des Unterrichtsministeriums.

Christian Schacherreiter: Diese ernsten Spiele. Eine Kindheit im Innviertel. Ein autobiografischer Essay. Otto Müller Verlag, Salzburg 2011, 207 Seiten, 19 Euro.




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Literarisches Buch

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