• vom 12.03.2010, 13:05 Uhr

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Update: 12.03.2010, 13:23 Uhr
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Von Kapfenberg bis Kairo

Scharang, Michael: Komödie des Alterns


Von David Axmann
  • Über Michael Scharangs neuen, in altehrwürdiger Manier erzählten Roman einer klassen- und grenzenüberschreitende Männer-Freundschaft.

Michael Scharang. Foto: Gottfried Haider

Michael Scharang. Foto: Gottfried Haider Michael Scharang. Foto: Gottfried Haider

Märchenhaft beginnt´s. "Es waren" (nur das klassische "einmal" fehlt) "zwei Männer, ein Ägypter und ein Österreicher, die verband von Jugend an eine tiefe Freundschaft." Wie so häufig im Leben erwuchs diese Freundschaft auch den Gegensätzlichkeiten, die der beiden Männer Wesen prägten und bestimmten. Der eine kam in Kapfenberg auf die Welt, der andere in Kairo. Jener wuchs in proletarischen Verhältnissen auf, dieser in einer wohlhabenden und einflussreichen Familie (mit Zugang zum ägyptischen Königshaus und der Möglichkeit, schon als Knabe deutsch zu lernen). Jener war Schriftsteller und Philosoph und hieß Heinrich Freudensprung, dieser Ingenieur und Geschäftsmann mit Namen Zacharias Sarani.

Beide waren sicher, dass es keinen Gott gibt, und beide liebten die Musik: Heinrich war "ein respektabler Geiger", Zacharias ein ebensolcher Liebhaber der abendländischen Tonkunst (was ihm vermutlich im Blute lag - hatte doch sein Onkel in Wien Klavier studiert). Und beide wussten, dass die Welt nicht in Ordnung war, und dass man etwas tun musste, den Zustand zu enden oder wenigstens zu bessern. Diese Gewissheit bildete das freundschaftliche Fundament - doch war "ihre Liebe zur Revolution", der sie leidenschaftlich, doch auch leichtfertig verfallen waren, "nicht ohne Selbstironie und Übermut", ja "auch voller Missverständnisse".

Praktischerweise begann die klassen- und grenzenüberschreitende Freundschaft im Sommer 1958 eben in Kapfenberg, also in Freudensprungs wie Scharangs Geburtsort, und zwar im Stahlwerk der Firma Böhler, wo Heinrich als Ferialpraktikant arbeitete und Zacharias auf dem Weg zum Maschinenbaustudium in Graz Station machte, um am Ursprungsort zu erfahren, "woraus eine Maschine hergestellt wird".

Das im Jünglingsalter geknüpfte Freundschaftsband erwies sich als ein beständiges, das keineswegs zu reißen drohte, als Heinrich wie Zacharias heirateten (der Ägypter fand in Graz die Frau seines Lebens, Sophie, die ihm eine Tochter, Johanna, und einen Sohn, David, gebar). Und das Band riss auch dann nicht, als Sarani, im besten Mannesalter stehend, den Entschluss fasste, ein revolutionäres Musterprojekt zu verwirklichen; Freudensprung, ein wahrer Freund, schloss sich der sinnstiftenden Unternehmung an.

Mitten in der Wüste (wo darunter glücklicherweise reichlich Wasserquellen vorhanden sind) entsteht eine sozialidealistische, antikapitalistische, alternative und genossenschaftlich geführte Pioniersiedlung, ein Gemeinwesen auf landwirtschaftlicher Basis, eine Farm mit Vorbildfunktion, in der sich neue gesellschaftspolitische, ökologische und architektonische Ansichten harmonisch vereinen. Ergänzt wird Saranis "Lebenswerk" (wie der selbst es nennt) durch eine "Akademie", bestehend aus Bibliothek, Vortragssälen und Gästehäusern; kaufmännisch geführt wird das Ganze von Sophie und Johanna, welches aufs erstaunlichste prosperiert, nach fünf Jahren arbeiten bereits 300 Leute auf der Farm.




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