
(butt) Generationen von Volksschülern, jedenfalls in Wien, waren mit den Babenbergern per du. Mit Heinrich Jasomirgott etwa, der angeblich seinen Zusagen hinzufügte: Ja, so mir Gott helfe! Auch bei Georg Scheibelreiter trugen frühe Begegnungen in der Schulbank zur Wahl des historischen Faches bei. Als Professor für mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften an der Wiener Uni geht er nun der Frage nach, was wir wirklich von den Babenbergern wissen. In diesem Buch ist von Machtkämpfen die Rede, persönlichen Erfolgen, Niederlagen, den Schicksalen der Gegend, in der wir leben. Vom Durchzugsland, in dem sich niemand dauerhaft festsetzen kann oder will, über das dünn besiedelte Gebiet beiderseits des Stroms, an der Peripherie des Karolinger-Reiches, von allen heimgesucht, gebrandschatzt, geplündert, hin zu immer fester etablierten politischen Strukturen. Besonders beeindruckend ist die Exaktheit, mit der Scheibelreiter gesichertes Wissen, Wahrscheinlichkeit, Möglichkeit und Phantasie auseinander dividiert. Die Kunst, trotzdem Figuren lebendig werden zu lassen. Die nüchterne Diagnose, was wir nicht wissen - oder wissen, wofür aber die Erklärung fehlt. Er gesteht Vermutung und Phantasie das Recht zu, Lücken zu füllen und einen mehr oder weniger großen Grad von Wahrscheinlichkeit zu beanspruchen, aber nie das Recht, das Ergebnis für Sicherheit auszugeben.
Georg Scheibelreiter: Die Babenberger - Reichsfürsten und Landesherren. Böhlau Verlag, 416 Seiten, 29,90 Euro.