Gestützt auf Briefe, Dokumente und eingehende Recherchen, beschreibt Hilde Schmölzer das Verhältnis von sieben berühmten weiblichen Paaren und porträtiert damit einfühlsam jene 14 Frauen, die einander in Liebe zugetan waren. Also neben den Genannten Bettine Brentano, Karoline von Günderrode, Marie Dorval, Ellen Nussey, Vita Sackville-West, Auguste Fickert, Ida Baumann, Gertrude Stein, Alice B. Toklas und Dorothy Burlingham.
Was das Buch vor allem auszeichnet ist einerseits, dass hier auch jene Frauen ins Licht gerückt werden, die bisher eher im Schatten der bekannten Protagonistinnen standen. Und andererseits, dass die Autorin immer wieder auf den Kontext von Rechts- und Sozialgeschichte aufmerksam macht, in dem bzw. unter dessen Druck diese Beziehungen standen. Hier findet sich alles, von der Unvorstellbarkeit, dass Frauen miteinander Sex haben könnten, bis zur romantischen Verklärung und der schweigenden Duldung, solange die Liebe strikt geheim gehalten wurde, aber auch peinliche Anklagen, Prozesse, Demütigung, Verbannung und Strafe.
Ungleich mehr Auswirkungen hatte indessen die Macht des Faktischen: Eine Eherechtssituation, die durch die alleinige Verfügungsgewalt des Mannes sklavereiartige Bedingungen forcierte - mit der Folge, dass Frauen davor flohen bzw. unverheiratet blieben, um nicht in jungen Jahren krank von vielen aufeinander folgenden Geburten oder im Kindbett zu sterben. Eine Gesellschaft, in der sich Frauen andererseits zur Heirat gezwungen sahen, um nicht in einem der wenigen ihnen gestatteten Berufe wie Lehrerin oder Gouvernante am Hungertuch nagen zu müssen, ohne echtes Einkommen und Rente.
Und auch wenn dies heute jungen Frauen unglaublich erscheinen mag: Erst die Familienrechtsreform im Jahr 1975 gab Frauen in Österreich das "Recht auf eigene Persönlichkeitsentwicklung und Berufstätigkeit" - bis dahin konnten Ehemänner dies jederzeit verbieten und ihre Frauen an den Haushalt binden.
Vater Freud im Wortlaut
Bleibt zuletzt nur eine kritische Anmerkung: Vorsicht, Glatteis! Wie auch Schmölzer einräumt, entbehrt das Verhältnis Anna Freuds mit Dorothy Burlingham des Beweises, dass es auch eine sexuelle Komponente hatte. Sigmund Freud dürfte seine Tochter da denn doch richtiger eingeschätzt haben, Stichwort: Sublimierung.
Aber was soll´s? Ungleich mehr wiegt der Autorin Verdienst, Vater Freud in seiner subtilen Mehrdeutigkeit zum Thema zitiert zu haben: Einen "voll entwickelten Homosexuellen in einen Heterosexuellen zu verwandeln", sei "nicht viel aussichtsreicher ... als das umgekehrte, nur dass man das Letztere aus praktischen Gründen niemals versucht".
Hilde Schmölzer: Frauenliebe - Berühmte weibliche Liebespaare der Geschichte. Promedia Verlag. 240 Seiten, 17.90 Euro