
(hb) Aus einer deutschen Sozialdemokratin wird keine richtige Londoner Investmentbankerin. Schon gar nicht, wenn der Papa Helmut Schmidt heißt und deutscher Kanzler war. Eher wird aus ihr die das Börsengeschehen kommentierende Journalistin einer auf das Börsengeschehen spezialisierten TV-Station. Susanne Schmidt war beides. Mitten drin im Geschehen und, kein Wunder bei ihrer Herkunft, stets auch distanzierte Beobachterin, akkumulierte sich in drei Jahrzehnten in ihrem Kopf umfassendes Hintergrundwissen und eine schöne Portion Zorn.
Diese Kombination befähigte sie, ein besonders intelligentes, kritisches, kompetentes Buch über eine Welt zu schreiben, die sich von jeder Moral verabschiedet hat. Nach dieser Lektüre ist man nicht mehr sicher, dass die Rettung "systemrelevanter" Banken richtig war.
Susanne Schmidt: Markt ohne Moral. Das Versagen der internationalen Finanzelite. Droemer Verlag, 208 Seiten, 20,60 Euro.