• vom 07.04.2010, 16:08 Uhr

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Update: 07.04.2010, 16:09 Uhr
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Unkonventioneller Präsident

Schreyer-Hartmann, Cherica: Theodor Körner


Von Friedrich Weissensteiner
  • Ab 1945 im Wiener Rathaus, von 1951 bis 1957 in der Hofburg.
  • Private Facetten einer eindrucksvollen Persönlichkeit.
  • Der Lebensbogen des ersten vom Volk gewählten Bundespräsidenten der Zweiten Republik, Theodor Körner, spannt sich von den Nationalitätenkämpfen in der k.u.k. Monarchie, die er als junger Mann miterlebte, über den Ersten Weltkrieg, den Zusammenbruch des habsburgischen Kaiserreiches, die Ausrufung der Republik, den Parteienhader, der zum Bürgerkrieg führte, die NS-Ära, die Wiedergeburt Österreichs 1945 bis zum österreichischen Staatsvertrag.

September 1955: Theodor Körner mit Soldaten des neu formierten Bundesheers. Foto: apa

September 1955: Theodor Körner mit Soldaten des neu formierten Bundesheers. Foto: apa September 1955: Theodor Körner mit Soldaten des neu formierten Bundesheers. Foto: apa

Diese gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüche, die er in partiellen Bereichen in wichtigen Positionen miterlitten und mitgestaltet hat, reflektieren sich auch in seiner Vita. Der kaisertreue, an Clausewitz geschulte Militär, der es in der k.u.k. Armee durch militärische Fachkenntnis, Umsicht und Unerschrockenheit bis zum hochdekorierten Generalstabschef der Isonzo-Armee brachte, bekannte sich ab der Mitte seines Lebens nach einem geistigen Wandlungsprozess zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), der er 1924 beitrat.

Er betätigte sich einige Jahre mit kritischem Scharfblick im Republikanischen Schutzbund, dem paramilitärischen Wehrverband der SDAP, und wurde nach den Februarereignissen des Jahres 1934 inhaftiert. Die Nazis ließen ihn ungeschoren.

Politisch schlug Theodor Körners große Stunde im April 1945, als man ihm in schwerer Zeit das Amt des Wiener Bürgermeisters anvertraute. Der damals 72-Jährige stürzte sich mit jugendlichem Elan in seine Aufgabe und wurde durch seine Volksnähe und seine unkonventionelle Amtsführung zu einer Symbolfigur des Wiederaufbaues in der Nachkriegszeit.

Er war eine imposante Erscheinung und eine eindrucksvolle Persönlichkeit. Groß gewachsen, körperlich und geistig voller Spannkraft, integer, korrekt, bescheiden, bedürfnislos, ungezwungen in seinem Lebensstil und von eiserner Disziplin gegen sich selbst, war er nach außen hin eher zurückhaltend und verbarg sein Privatleben so gut es ging vor einer neugierigen Öffentlichkeit.

Körner war unverheiratet, aber der Junggeselle war beileibe kein Zölibatär. Er lebte mit Baronin Antoinette (Netka) Latscher von Lauendorf, der Witwe eines Feldmarschall-Leutnants und k.u.k. Kriegsministers, in einer jahrzehntelangen, eheähnlichen Wohngemeinschaft. Seinen Lebensabend verschönte ihm Trix Hartmann, die Mutter der Autorin dieses interessanten, aufschlussreichen Buches, die er wie ein verliebter Gymnasiast verehrte und umschwärmte.

Cherica Schreyer-Hartmann veröffentlicht aus dem mütterlichen Nachlass zahlreiche Briefe und Fotos, die Körners Charakter- und Lebensbild um eine wertvolle Facette bereichern. Diese Dokumente bezeugen seine menschliche Wärme und Fürsorglichkeit. Cherica selbst wurde der großväterlichen Obsorge des 1951 zum Bundespräsidenten Gewählten teilhaftig, wenn sie als Internatsschülerin in Döbling manche Wochenenden in der Präsidentenvilla zubrachte.

Körner kaufte, oft ohne Mantel und Hut bekleidet, bei einem Greißler in der Nähe Lebensmittel für das Abendessen ein und wusch gemeinsam mit ihr das Geschirr ab. Er erteilte ihr Nachhilfe in Mathematik und versorgte sie wöchentlich mit Taschengeld. Die Autorin erinnert sich auch an die schönen Sommerwochen im ehemaligen kaiserlichen Jagdschloss Mürzsteg, wo der Bundespräsident zur Erholung weilte.

Emotionale Stütze

In ihrem Buch, für dessen Zustandekommen sie zahlreiche Gespräche führte und umfangreiches Material zusammentrug, ist Körners Biografie in ein chronikales familiengeschichtliches Ambiente eingebettet. Für den einsamen, alten Bundespräsidenten waren die in Kitzbühel beheimateten Frauen, die im Titel als "Nachtigallen" figurieren, eine emotionale Stütze, die ihn so manche schwere Bürde seines ihm keineswegs auf den Leib geschneiderten Amtes leichter tragen und ertragen ließ.

Cherica Schreyer-Hartmann: Theodor Körner - Der rote Kaiser und die Nachtigallen. Christian Brandstätter Verlag, 288 Seiten, 25 Euro.




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