
Die US-Vorwahlen sind voll im Gange. Da kommt dieses Buch über Amerikas neue konservative Bewegung, die "Tea Party", gerade zur rechten Zeit.
Eva C. Schweitzer, die in New York lebende deutsche Amerikanistin und Korrespondentin für "Die Zeit", legt eine detailreiche Abhandlung über den vielschichtigen Hintergrund der rechten Protestbewegung vor. Es handelt sich um eine Mischung aus Sachbuch und pointiert kommentierter Reportage. Auch wenn man als Leser vielleicht nicht mit allen Formulierungen der Autorin einverstanden sein wird, bietet der Band anhand ihrer umfangreichen Recherchen, etwa bei diversen öffentlichen Veranstaltungen, aber auch anhand ihrer Begegnungen mit führenden Persönlichkeiten der Tea Party wie Michele Bachmann oder Ron Paul, einen guten Einblick über die durchaus mehr als kritisch zu sehende "Revolution von rechts", die die Republikanische Partei in den USA zu unterwandern versucht.
Mitt Romney als "Rino"
Mitt Romney, der aussichtsreichste republikanische Herausforderer des amtierenden demokratischen US-Präsidenten Barack Obama nach den bisherigen Vorwahlergebnissen, scheint jedoch ein von der Tea Party eher ungeliebter "Rino", ein "Republican In Name Only" zu sein. Romney selbst bezeichnete jüngst die Forderungen der Tea Party als "reguläres republikanisches Gedankengut". Er würde sich nicht von Leuten distanzieren, so Romney weiter, die an eine "schlanke Verwaltung" glauben, denn "daran glaube ich ebenfalls".
Ihren Namen hat die rechte Protestbewegung von der "Boston Tea Party". Letztere war der Startschuss zum Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten. Heute wolle die neue Tea Party die Macht in Washington übernehmen, meint Schweitzer.
Die Tea Party ist keine eingetragene Partei, sondern eine lose Sammelbewegung von hauptsächlich weißen Sympathisanten, von denen die Autorin schreibt, dass sie nicht sauer auf die Banker seien, die Billionen US-Dollar veruntreut haben, sondern auf die Rettungsversuche der Obama-Regierung, die staatliche Hilfen an Hauseigentümer gebe; auf Immigranten, von denen sie glauben, dass sie "nur Geld kosten"; auf Arme, die ihrer Meinung nach nicht genug Steuern zahlen würden, und auf Muslime, die an vielem, was nicht nur in den USA schieflaufe, schuld seien.
Außenpolitisch tritt die Bewegung für einen starken Staat ein, wobei mögliche Waffengänge gegen den Iran und Syrien nicht ausgeschlossen seien. Man könne nicht sagen, dass die Tea Party aus lauter rechtsradikalen Mitgliedern des Ku-Klux-Klans bestehe, schreibt Schweitzer, doch zählen Teile der Bewegung sehr wohl zu ultrakonservativen Religiösen, die an das baldige Armageddon und den Untergang der Welt nicht nur glauben, sondern beides herbeisehnen. Ebenso finden sich in ihren Reihen auch solche, die den Holocaust leugnen.
Trotz eines theoretischen Gerüsts, das auf Intellektuelle wie Ayn Rand und Friedrich von Hayek zurückgeht, sei ihre stärkste Strömung anti-intellektuell und anti-elitär. Die Aktivisten der Tea Party reden viel von Freiheit, aber sie haben keine Probleme mit dem Kontrollstaat. Ihr Freiheitsbegriff reduziere sich darauf, weniger Steuern zu zahlen und weniger Sozialabgaben zu finanzieren. Ihre Gegner sind vor allem Linke, Gewerkschafter, Feministinnen.
Was die politische Schlagkraft dieser Bewegung so brisant macht: Die Tea Party ist nicht so machtlos, wie sie gerne tut. Sie hat Börsenmakler, konservative Medien, Blogger und Think-Tanks auf ihrer Seite und wird unter anderem von der Pharma-, Chemie- und Erdölindustrie gesponsert. Diese haben ihr erst zu politischer Macht und Einfluss verholfen, schreibt Schweitzer, deren flüssig geschriebenes Buch den Leser auf eine Reise durch Amerika führt - das konservative Amerika, das "Heartland".