
(wt) Er muss es ja wissen. - Volker Seitz, erfahrener deutscher Ex-Diplomat, unter anderem 17 Jahre in mehreren Ländern Afrikas tätig, zuletzt bis zu seinem Ruhestand 2008 Botschafter in Jaunde/Kamerun, schreibt sich hier von der Leber, was ihn schon lange stört: Das "globale Hilfsbusiness" müsse ein Ende haben. Und Seitz weiter: "Ich sah wie Steuergelder in sinnlose Projekte, in Konferenz-, Workshop- und Reisezirkus versenkt wurden, wie der Rest in die Taschen der einheimischen Machtelite floss und riesige Bürokratien bewässerte, die fortan nur eines im Sinn hatten: mit dem warmen Geldfluss ihr feudales Leben zu sichern."
Afrikaner haben keine Eile, dafür aber ein gutes Gedächtnis, heißt es. Dieses "Gedächtnis des Volkes" sollten Entwicklungshelfer bei ihrer Arbeit vor Ort einbeziehen. Denn nachhaltige Entwicklung kann nur über die tatkräftige Mitwirkung und Eigeninitiative eines jeden Einzelnen erfolgen, ist der Autor zu Recht überzeugt. Oberstes Ziel darf nicht ein Mehr an Entwicklungshilfe sein, das die Kräfte der Selbsthilfe lähmt, sondern so wenig Geld wie irgend möglich, nur so viel wie dringend nötig. - Eine äußerst interessante Analyse hinter die Kulissen der Entwicklungshilfe.
Volker Seitz: Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann. Dtv, 219 Seiten, 15,40 Euro.