Dafür erfährt man eine Fülle von Wissenswertem über den Mann, der am 16. September 1992 mit einem "Wetteinsatz" von zehn Milliarden Dollar den Wechselkurs des britischen Pfunds zu Fall brachte. Soros hat nicht nur viele Reiche, mit deren Geld er spekulierte, zu Superreichen gemacht und wurde selbst einer. Sein sagenhafter Erfolg im Kasinokapitalismus hinderte ihn nicht, zu einem der kompetentesten Kritiker dieses Systems zu werden.
Der ungarische Jude Soros, der im Untergrund überlebte und sich dabei den Überlebensinstinkt erwarb, der ihm, wie er gern betont, auf den Finanzmärkten zugute kam, investiert Milliarden in Stiftungen, um die demokratische Entwicklung in den ehemaligen Ostblockländern voranzutreiben und zählte zu den schärfsten Kritikern von George W. Bush, dessen Kriegsrhetorik nach dem 11. September 2000 er mit derjenigen der Nazis verglich. Von den Rechtsbrüchen der Bush-Administration und vom Abbau traditioneller amerikanischer Freiheitsrechte entsetzt, zählte er zu den (sehr wenigen) Reichen, die Bushs Gegner mit hohen Geldspenden unterstützten. Soros ist der Intellektuelle unter den Spekulanten, ein Warner und tätiger Moralist in einem Milieu, das längst zur Tagesordnung der Raffgier zurückgekehrt ist.
Robert Slater: George Soros - Sein Leben, seine Ideen, sein Einfluss auf die globale Wirtschaft. FinanzBuch Verlag, 352 Seiten, 30,80 Euro.