
(wt) "Europa muss nicht unbedingt eine Weltmacht werden wollen, aber ein bisschen mehr Einigkeit wäre schon wünschenswert." So das Urteil des "elder statesman" Helmut Schmidt, jener vielschichtigen Persönlichkeit, der der langjährige Herausgeber der deutschen "Zeit" Theo Sommer dieses wirklich gute Buch widmet. Der in Hamburg 1918 geborene Schmidt war achteinhalb Jahre deutscher Bundeskanzler, ehe er nach dem Scheitern der SPD-FDP-Koalition 1983 zur "Zeit" wechselte, der er als Mitherausgeber bis heute angehört. Sommer zeichnet ein sensibles Porträt jenes Staatsmannes und Publizisten nach. Aus der Darstellung des scharfsinnigen Publizisten Schmidt widerspiegelt sich seine Verantwortung als Deutschland-, Europa- und Wirtschaftspolitiker. Über alle parteipolitischen Grenzen hinweg ist er eine moralische Institution. Seine Meinung hat Gewicht. Er, der Hanseat und Philosoph im Politiker, ist selbst ein Stück bundesrepublikanischer Historie vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Welt. Ein wertvolles Buch.
Theo Sommer: Unser Schmidt - Der Staatsmann und der Publizist. Hoffmann und Campe, 416 Seiten, 22,70 Euro.