
(hb) Dass die McLeods auf Eigg ein Feuer vor dem Eingang der Höhle entzündeten, so dass alle 395 MacDonalds, die sich dort vor ihnen versteckt hatten, elendiglich ersticken mussten, das geschah in Schottlands Killing Times anno 1577 und war freilich selbst damals etwas ungewöhnlich. Doch dass die schottischen Lairds, die Großgrundbesitzer, auch heute mit ihren Pächtern weitgehend schalten und walten können, wie sie wollen, ist erstaunlich. Die Geschichte der Einwohner der drei Hektar großen Insel Eigg, die 1997 mit Hilfe einer anonymen Millionenspende den Laird auszahlen konnten, ist ein Schmankerl einer auf neuesten Stand gebrachten Picus-Lesereise. Wer immer schon nach Schottland wollte, will es nach der Lektüre noch mehr. Vielleicht für immer? Eines der beiden Nessie-Museen, die jährlich 300.000 Besucher zählen, steht derzeit für eine Million Pfund zum Verkauf. Wer dann aber liest, dass in Glasgow heute prozentuell mehr Junkies leben als sonst wo in Europa oder dass in der alten Industriestadt Possil ein Drittel der Leute arbeitslos ist, will wohl nach wie vor nach Schottland - aber vielleicht doch lieber nicht für immer.
Rolf Sotschek: Lesereise Schottland. Picus, 132 Seiten, 14,90 Euro.