Stefánssons Held, ein namenloser "Junge", verlor bei einer Fangfahrt seinen einzigen Freund und Halt. Wohl empfanden die beiden Respekt vor den Elementen, und ihre Herzen pumpten, gleich jenen der Kameraden, "Blut und Ungewissheit über den Fisch und über das Leben"; das absolute Gottvertrauen der Fischer aber teilten sie nicht. Denn längst waren sie zu Horizonten jenseits des Eismeers vorgestoßen - zum Bücherschatz eines erblindeten Kapitäns. Eine gefährliche Expedition, zumal Miltons "Verlorenes Paradies" dem Freund das Leben kostete. Die Seefahrt - als Metapher für die Ungewissheit des Lebens - droht auch den Jungen "in Stücke zu spalten". Doch dieser will leben, "will herausfinden, ob es überhaupt einen Kern der Dinge gibt." In erhaben-lakonischer Sprache führt Stefánsson durch die Stationen jener Sinnsuche, wofür er dem Helden eine großherzige Wirtin und zwei weise Seebären zur Seite stellt. Ein grandioses Seestück.
Stefánsson, Jón Kalman: Himmel und Hölle. Roman. Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig. Reclam, Stuttgart 2009, 231 Seiten, 19,50 Euro.