Als sich seine von den Nazis beeinflusste Sekretärin seine goldene Montblanc-Füllfeder aneignete und meinte: "Die habe ich schon immer haben wollen, aber jetzt können Sie nichts machen, weil Sie ein Jud sind", wusste er, dass er das Angebot, nach Dänemark zu kommen, rasch annehmen musste.
Hans Steiner schildert in seinen Erinnerungen die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, etwa wie sein Vater SA-Männern für die Fahnen bezahlen musste, die anlässlich des Göring-Besuchs an seinen Fenstern auf der Praterstraße angebracht wurden, oder den Nazi-Konsul in Dänemark, der ihm keinen Pass ausstellen wollte, den er für die Weiterreise auf die Philippinen brauchte.
Die Emigration war überschattet von der Sorge um den Bruder, der bei den Nazis in Haft saß, und um den alten Vater, von dessen plötzlichem Tod er auf der Schiffsreise auf die Philippinen erfuhr, nachdem der Bruder erst wenige Tage zuvor aus der Haft entlassen und nach England ausgereist war.
Hans Steiner arbeitete auf den Philippinen zunächst als Lektor für Fremdsprachen an der Universität und machte in den 50er Jahren eine gute Karriere in der Wirtschaft. Ehrenamtlich war er unter anderem österreichischer Generalkonsul. Der Ehe mit der Wiener Botanikerin Monika Lise Lindenberg entstammen drei Töchter.
1963 kehrte Steiner nach Österreich zurück, wo er 1980 in Wien verstarb. Seine Tochter Ruth hat jetzt seine lesenswerten Lebenserinnerungen herausgegeben. Man hätte sich allerdings ein etwas aufmerksameres Lektorat gewünscht, das irritierende Fehler - unter anderem wird Theodor Körner als Präsident einer "Dritten Republik" bezeichnet - beseitigt hätte.
Hans Steiner: Nie wieder Wien? Erinnerungen an Jugend und Exil. Wiener Dom Verlag 231 Seiten, 16,90 Euro.