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Update: 24.09.2010, 16:38 Uhr
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Wie ein schwedischer Ex-Nazi aus einem Provinz-Einrichtungshaus einen aggressiven Weltkonzern geschmiedet hat

Stenebo, Johan: Die Wahrheit über Ikea


Von Christian Ortner
  • Ein Ex-Manager packt aus über Schwedens "unmögliches Möbelhaus".
  • Warum Ikea-Gründer Ingvar Kamprad seinen Platz nicht räumen will.
  • Es gibt vermutlich keinen anderen Weltkonzern, der auch nur annähernd so vielen Menschen so sympathisch ist wie Ikea, "das unmögliche Möbelhaus aus Schweden", wie es sich selbst in der Werbung nennt.

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad bei der Entgegennahme eines Wirtschaftspreises in Kiel 2007. Foto: epa

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad bei der Entgegennahme eines Wirtschaftspreises in Kiel 2007. Foto: epa Ikea-Gründer Ingvar Kamprad bei der Entgegennahme eines Wirtschaftspreises in Kiel 2007. Foto: epa

Mit einer Mischung aus mehr oder weniger gelungenem Design, brauchbarer Qualität, einem jugendlich-saloppen Image und vor allem sehr günstigen Preisen ist das Unternehmen in den vergangenen 50 Jahren von einer örtlichen Möbelhandlung in der schwedischen Provinz zu einem multinationalen Konzern geworden, der mit 260 Filialen in den USA, ganz Europa, China und Japan heuer rund 25 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt, 150.000 Menschen beschäftigt und den Firmengründer Ingvar Kamprad (85) zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat (was der übrigens massiv bestreitet).

Produkte wie das legendäre Bücherregal "Billy" oder das Sofa "Klippan", millionenfach verkauft, sind mittlerweile Designlegenden der Alltagskultur, und mit dem freundlichen Elch wird Ikea noch immer assoziiert, obwohl das Vieh schon vor Jahren als Symbol des Möbelhauses ausgedient hat.

So wertvoll dieses sympathische Image für den hochprofitablen Ikea-Konzern ist, so wenig entspricht es der Unternehmenswirklichkeit hinter der professionell inszenierten Gefühlsfassade des Unternehmens, behauptet nun freilich ein ehemaliger hochrangiger Ikea-Mann, der ein paar Jahre sogar der engste persönliche Mitarbeiter des Gründers Kamprad war. "Die Wahrheit über Ikea - Ein Manager packt aus" von Johan Stenebo zeichnet ein ganz anderes, wesentlich unschöneres Bild. Es zeigt einen Konzern, der sich selbst zwar als "gutes Unternehmen" versteht, der in der Praxis aber Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht immer rasend ernst nimmt, dessen Mitarbeiter angeblich von einem dem Gründer unterstehenden bizarren Spitzelsystem kontrolliert und gegebenenfalls denunziert werden, in dessen Führungsetage gelegentlich ein rassistischer Ton ("die Neger") herrscht und in dem Frauen und Ausländer nicht allzu viel zu reden haben.

Auch Tiere behandelt der Elch nicht immer besonders gut: 2009 ist aufgeflogen, dass Ikea Daunen von Herstellern bezieht, die ihren Gänsen das Federkleid bei lebendem Leib ausrupfen. Das ist besonders profitabel, weil mehrmals wiederholbar; nur leider für die betroffene Gans ungefähr so vergnüglich wie lebendig gehäutet zu werden für einen Ikea-Kunden.

Geizhals und Kontrollfreak

Gerupft wurden nicht nur Gänse. Auch mancher internationale Designer fand in früheren Jahren einige seiner Kreationen ungefragt in den Ikea-Kaufhäusern wieder, behauptet Stenebo: "Während der 70er und 80er Jahre klaute das Unternehmen ungeniert das Design für viele seiner Bestseller. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass dieses 'Diebesgut' zu einem gewissen Teil Ikea zu dem machte, was es heute ist."




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