Wenn der Autor, Kabarettist und TV-Star Dirk Stermann gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Christiane Kada ein Kochbuch schreibt, dann sind nicht nur kulinarische Anregungen sondern auch schlichtes Lesevergnügen und ein Stück Kulturgeschichte angesagt. Der Band "Frische Fische" (Brandstätter-Verlag) ist ausschließlich den traditionellen heimischen Teichfischen gewidmet, die in der weststeirischen Teichlandschaft des Gutes Hornegg gezüchtet werden. Denn neben dem klassischen Karpfen schwimmen in den zahlreichen Teichen auch die Gras und Schilf fressenden Amure, deren Heimat der gleichnamige chinesisch-russische Grenzfluss ist, Brachsen und Flussbarsche, Rotaugen und Rotfedern, Karauschen, Schleien, Hechte, Zander und Welse.
Mit dem Kochbuch, schreibt Dirk Stermann, wolle man auch "dazu ermuntern, in der Küche gerade auch mit den in Vergessenheit geratenen Fischsorten zu experimentieren, denn ihr ökologischer Flossenschlag ist zu empfehlen und ihr Geschmack ausgezeichnet." In dem Buch "Frische Fische" werden nicht nur die einzelnen Fischarten, ihre Fressgewohnheiten und die Fütterung der Biofische vorgestellt, sondern auch die Fischernte im Spätherbst, die sich Stermann nicht entgehen lässt und bei der - ähnlich wie bei der Weinlese - Stadt- und Dorfbewohner zusammenarbeiten und anschließend feiern. Dabei wird das Wasser des größten Teiches abgelassen, etwa 20 Tonnen schlachtreife Tiere aussortiert und die kleineren, die noch weiterwachsen sollen, auf die anderen 29 Teiche zum Überwintern aufgeteilt.
Stermann gesteht, dass ihn diese archaische Schwerarbeit fasziniert, wobei er nur die Rolle des Fischsortierers ausübt, "eine Stufe über dem Karpfen." Aber er kocht gerne, auch wenn er es bis jetzt noch nicht fertig brachte, einen Fisch selbst zu schlachten. Die Rezepte stammen überwiegend von Christiane Kada, die auf Hornegg praktisch gemeinsam mit den Fischen aufgewachsen ist und bei der er "in die Lehre ging." Auf dem Gut ihres Bruders Heinrich Holler hat man die Traditionen der mittelalterlichen Klöster wiederbelebt, die mit der Fischzucht für die damals 150 Fasttage im Jahr Vorsorge getroffen haben.
Kochanleitungen für Salmoniden wie Forellen und Lachsforellen fehlen, weil diese Raubfische für die extensive Teichwirtschaft ungeeignet sind. Die Teichfische werden nur mit selbst angebautem Getreide gefüttert und leben von den im Wasser vorkommenden Plankton, Weichtieren und Insekten. Zander und Hecht fangen sich ihre Fischnahrung selbst und sind auch Kannibalen, die die eigene Gattung nicht verschmähen. Die Fische - ausgenommen der Amur, der in österreichischen Gewässern nicht laicht und daher ausgesetzt werden muss - vermehren sich selbst und können nach streng biologischen Vorschriften wachsen. Und sie gedeihen, weil sie genügend Platz zum Schwimmen haben auch prächtig. Der aus dem Ruhrpott stammende "Wahlösterreicher" Dirk Stermann sagte, als er in Wien Fuß fasste "ich esse doch keinen Karpfen, der schlammig schmeckt und fett ist. Doch dann habe ich die Biokarpfen von Hornegg entdeckt, die überhaupt nicht fett sind und herrlich munden."