Tatsächlich finden sich in dem dünnen Band ausnahmslos teils enthusiastische Sanktionen-Befürworter, Kritiker der damaligen Vorgehens der EU-Staaten kommen nicht zu Wort.
Die wütende Kernthese, im Vorwort der Herausgeber formuliert, lautet: "Aus heutiger Sicht stellt sich für Österreich das Geschehen des Jahres 2000 in erster Linie als verpasste Gelegenheit dar. Die damaligen Ereignisse boten die überraschende Möglichkeit, auf einmalige Weise (...) endlich für klare Verhältnisse zu sorgen und (.. .) jene von der EU eingeklagten sozialen Richtwerte auch in Österreich auf ein in Europa akzeptiertes Niveau zu heben. Die Chance wurde vertan."
Die Verantwortung dafür tragen aus dieser Sicht Regierung wie Medien, die allesamt den angeblich moralischen Impetus für die Sanktionen negierten: die Regierungsbeteiligung der als rechtsextrem geächteten Haider-FPÖ. Dass Schwarz-Blau über eine parlamentarische Mehrheit nach freien Wahlen verfügte, spielt da keine Rolle. Einzelne Autoren nutzen dagegen die Gelegenheit, sich als Martyrer ins Bild zu rücken.
Den einzig bedenkenswerten Interpretationsansatz formuliert der Politologe Anton Pelinka, der die Reaktion auf die Sanktionen in die Tradition der vielgeliebten Opferrolle Österreichs einreiht.
Ansonsten bietet das Buch allenfalls Gelegenheit, sich noch einmal der damaligen politischen Hysterie auf allen Seiten zu erinnern, die offensichtlich bis heute weiter nachhallt.
Strauß, Ströhle (Hrsg.): Sanktionen - 10 Jahre danach. StudienVerlag, 2010, 168 Seiten, 24,90 Euro.