"Es gab nichts mehr zu sagen, und davor hatte es auch nichts zu sagen gegeben." Wie schon in seinem ersten, 2007 erschienenen Erzählband "Sackgasse", zeigt Bernhard Strobel auch in seinen neuen Erzählungen Figuren - meist sind es Männer -, die an Sprachlosigkeit und Kommunikationsunfähigkeit leiden. Da wird ein ausgestoßenes Familienmitglied der Form halber zum Begräbnis eingeladen; es wird von einem Außenseiter erzählt, der in einer Hütte im Wald haust, Besuch bekommt von Flüchtlingen, die jedoch, bevor sich eine Beziehung zwischen ihnen entwickeln könnte, von der Polizei gefasst werden; ein alter Mann wird von einer früheren Bekannten in seinen Gewohnheiten gestört.
"Du machst es einem nicht gerade leicht." Ein typischer Satz, den Strobels Figuren zu hören bekommen. Maulfaul sind sie, froh, ihre Ruhe zu haben, boshaft, wenn ihnen Vorwürfe gemacht werden, reizbar, aber nicht grob. Sie hadern mit sich und den anderen. Schweigen ist ihnen Gold. "Willst du darüber reden?" - "Es kommt ja sowieso nichts dabei raus."
Strobel, für sein Debüt zu Recht mehrfach ausgezeichnet, hat seine Technik in seinem zweiten Erzählband, "Nichts, nichts", weiter verfeinert und bis zum Äußersten ausgereizt. Man könnte sie sich so vorstellen: Strobel versetzt seine Figuren in Alltagssituationen. Dann verschiebt er den Boden, auf dem sie stehen, so dass sie sich plötzlich, aus dem Gleichgewicht gebracht, auf einer schiefen Ebene wieder finden, und schaut ihnen dabei zu, wie sie verzweifelt versuchen, wieder festen Halt zu finden.
Naturgemäß müssen sie bei diesen Balanceübungen scheitern, eröffnen dem Autor damit jedoch allerhand Möglichkeiten, seinen Sinn für die Groteske und das Absurde zu zeigen.
Strobels Erzählen ist bemerkenswert, weil es auf radikale Schmucklosigkeit und Reduktion setzt und jedes Kalkül, jede Stilisierung - die junger Literatur oft zu eigen ist - ablehnt.
Bernhard Strobel: Nichts, nichts. Erzählungen. Droschl, Graz - Wien 2010, 116 Seiten, 18 Euro.