
(pb) Tessa Szyszkowitz startet ihr Buch mit einer packenden wie präzisen Analyse der russischen Entwicklung der letzten 20 Jahre und des heutigen Zustands des im Putinimus gefangenen Landes, eines zutiefst korrupten Netzwerks zum Machterhalt mit gegängelter Justiz und Ermordung von Kritikern, die dieser "gelenkten Demokratie" gefährlich werden könnten. Die Autorin arbeitet heraus, wie eine seit Katharina der Großen in aufgezwungener Untertanenmentalität verharrende und nun zu ein bisschen Wohlstand gekommene Bevölkerung diese Situation nahezu schweigend akzeptiert und an ihr vorbei zu leben versucht.
Dennoch mündet dieses Buch nicht in Hoffnungslosigkeit. Im Gegenteil: Die Porträts von elf jungen Russinnen und Russen signalisieren Hoffnung. Diese "neuen Russen", die ohne Indoktrinierung durch das Komsomol aufgewachsen sind, nützen die Nischen, die ihnen der Putin-Staat gelassen hat, um mit Leistungswillen und Disziplin ihre Sehnsucht nach persönlicher Freiheit und Wohlstand zu stillen. Ein ermutigender Einblick ins heutige Russland, der durch Faktenreichtum und unprätentiöse Sprache besticht und den man erst aus der Hand legt, wenn man ihn in einem Zug gelesen hat.
Tessa Szyszkowitz: Die neuen Russen. Die Generation nach Putin. Picus Verlag, 136 Seiten 19,90 Euro.