• vom 15.04.2011, 13:10 Uhr

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Update: 15.04.2011, 13:11 Uhr
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Auf Muttersuche

Taschler, Judith W.: Sommer wie Winter


Von Ingeborg Waldinger
  • Judith W. Taschler: "Sommer wie Winter".

"Ein Vater ist nie in meinen Träumen vorgekommen", sinniert der 19-jährige Alexander. Auch in seiner Geburtsurkunde scheint ein solcher nicht auf. Sondern es war die - ebenfalls absente - Mutter gewesen, die Alexanders ganze Phantasie beherrschte. Den Grund für ihre Abwesenheit kannte er nicht, seine Pflegefamilie verbot ihm sogar, danach zu fragen. Erst später entnahm er einem Zeitungsbericht, dass seine Mutter ihn als Dreijährigen allein gelassen habe und spurlos verschwunden sei. Worauf sich der im Hochwinter Geborene, der mit Nachnamen Sommer heißt und bei der Großfamilie Winter lebt, auf die Suche nach der Verschollenen macht.

"Sommer wie Winter" heißt das beachtliche, teils autobiographisch grundierte Romandebüt der in Innsbruck lebenden Drehbuchautorin Judith W. Taschler. Der Buchtitel suggeriert eine stete Wiederkehr des Gleichen, und in der Tat deutet zunächst manches auf die monotone Tristesse eines Anti-Heimatromans hin: Die Söldner Bauernfamilie Winter stellt auf Tourismus um. Der Vater betreibt den Pensionsausbau ohne Maß, die Mutter fügt sich still. Alle Kinder müssen mitarbeiten, Alexander am härtesten. Das touristische Konzept "Familienanschluss" höhlt die von Lieb- und Wortlosigkeit wie von rigidem Katholizismus geprägte Privatsphäre restlos aus. Doch dann bringt Alexanders Muttersuche einen Stein ins Rollen, der alle in den Abgrund zu reißen droht.

Die gebürtige Linzerin Judith W. Taschler entrollt das große Geheimnis mit kriminalistischem Gespür und effektvoller Dramaturgie. Das Unfassbare überfordert alle Mitglieder der Familie Winter, sie werden, mit Ausnahme des Vaters, psychologisch betreut. Ihre "Therapiegespräche", die eigentlich Monologe sind, bilden die Kapitel des Romans. Sie legen Ängste, Träume und Wunden offen - und spiegeln zudem die Stationen einer Selbstfindung. Denn "Sommer wie Winter" ist auch ein fein gesponnener Entwicklungsroman.

Judith W. Taschler: Sommer wie Winter. Roman. Picus Verlag, Wien 2011, 200 Seiten, 19,90 Euro.




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Literarisches Buch

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