"D e r Montespan" lautet der preisgekrönte Roman von Jean Teulé im französischen Original. Hinter dem Namen steckt "Der gehörnte Marquis" (deutscher Titel), der Gatte von Françoise de Rochechouart, der vorletzten Lieblingsmätresse von Ludwig XIV. Teulé, vormals Comicszeichner und Schauspieler, rollt die Biographie des rasenden Hahnrei neu auf. Er präsentiert einen naiv-dreisten Gaskogner - und bedient damit augenzwinkernd das Stereotyp vom großtuerischen Provinzler, der dem Pariser Parkett nicht gewachsen ist. Der Marquis, ehrlos auf dem Schlachtfeld und glücklos im Spiel, weist die Abfindungsangebote des Königs zurück. Offen verflucht er den Ehebruch, dem eine Kinderschar entsprang. Dann prescht er - in schwarzer Kutsche mit kapitalen Hirschgeweihen - nach Versailles, um seine Liebe zurückzuholen. Spott, Ungnade und Verbannung sind ihm gewiss. Die welkende Kurtisane indes landet, aus der sonnenköniglichen Umlaufbahn gedrängt, erst im Okkultismus und dann im Kloster.
Teulés krasses, ins Groteske gesteigerte Sittenbild des Hofstaates ("gebaut auf Treibsand und Schlamm") basiert auf minutiöser Recherche. D e r Montespan tritt als tragikomischer Held ab. Doch Teulés Buch ist auch immer eines über d i e Montespan. Und die endet - als Hundefutter.
Jean Teulé: Der gehörnte Marquis. Roman. Aus dem Französischen von Gaby Wurster. Piper, München 2009, 336 Seiten, 12 Euro.