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Update: 17.06.2011, 16:37 Uhr
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Thelen, Albert Vigoleis: Meine Heimat bin ich selbst


Von Rainer Mayerhofer
  • Über eine Sammlung der Briefe von Albert Vigoleis Thelen.

 Einen Quatschverzapfer nannten die heranwachsenden Geschwisterkinder Klaus und Hanna Thelen einmal ihren Onkel Albert Vigoleis, der mit seinem 1953 publizierten Roman "Die Insel des zweiten Gesichts" einen Schelmenroman von barocker Wucht geschaffen hat, in welchem er seine Erlebnisse auf Mallorca in den Jahren 1931 bis 1936 beschreibt.

Obwohl Thelen erst 1989 im Alter von 85 Jahren verstarb, erschienen nach der "Insel" nur mehr ein weiterer Roman, "Der schwarze Herr Baßetup", der nicht an den vorhergehenden Erfolg anknüpfen konnte, einige Erzählungen und Gedichtbände. Der Hauptteil seines literarischen Schaffens bestehe in seiner Korrespondenz, sagte Thelen schon zu Lebzeiten. Rund 15.000 Briefe soll er im Lauf der Jahrzehnte an Freunde, Kollegen, Bekannte und Verleger geschrieben haben.

Welch literarischer Schatz da ungehoben herumlag, zeigt der jetzt veröffentlichte erste Band von Thelens Korrespondenz, dem zwei weitere folgen sollen. 287 Briefe, die der Autor in den Jahren 1929 bis 1953 verfasst hat, haben Ulrich Faure und Jürgen Pütz, zwei eingefleischte "Thelenianer" aus dem umfangreichen Material ausgewählt.

Die wenigen Briefe aus Mallorca an die Familie und holländische Freunde, darunter den Verleger Menno ter Braak, in dessen Zeitung "Het Vaderland" Thelen Rezensionen über deutsche Exilliteratur publizierte, sind wie Kurzfassungen von Kapiteln aus dem Insel-Roman, die er erst Jahrzehnte später niederschreiben sollte.

Er schildert darin das Bordell- ambiente von Palma und die Schwierigkeiten des Überlebens: "Die Landschaft ist nach wie vor bewundernswert. Aber mit Ameisen und Wanzen im Hemd und einem Röllchen Veronal vor den hurengetrübten Augen sieht man von all der Schönheit natürlich nichts", schrieb Thelen 1931 an seinen holländischen Kollegen Victor Emanuel Vriesland recht unverblümt über seine Lage und jene seiner Lebensgefährtin Beatrice, die er während eines Spanienaufenthalts 1934 dann heiratete. Aus Mallorca stammt auch der erste Brief an den portugiesischen Mystiker Teixeira de Pascoaes, zu dessen Übersetzer ins Deutsche und Niederländische Thelen kurz darauf werden sollte. In einem Brief an Harry Graf Kessler - unter vielen Gelegenheitsarbeiten war Thelen auf Mallorca auch dessen Sekretär - schildert er 1936 die Flucht in den ersten Tagen des spanischen Bürgerkriegs.

Briefe aus der Schweiz, wo Thelen bis 1939 mit seiner Frau Beatrice lebte - einer gebürtigen Schweizerin, die aber durch die Ehe ihre Staatsbürgerschaft verloren hatte (und durch die Ausbürgerung Thelens durch die Nazis auch die erworbene deutsche) -, schildern die schwierige Lage der Flüchtlinge. Immerhin hatte Thelen durch seine Übersetzungen eine Lebensgrundlage, die jedoch mit der deutschen Invasion in den Niederlanden 1940 wegfiel. Da lebten Thelen und seine Frau bereits auf dem Gut von Pascoaes in Amarante in Portugal. Briefe aus diesem portugiesischen Exil, das von 1939 bis 1947 dauern sollte, schildern in köstlicher Manier die Verrücktheiten des dortigen Adels, aber auch die Armut der Flüchtlinge.

Auch die Rückkehr der staatenlosen Flüchtlinge Albert Vigoleis und Beatrice Thelen im Jahr 1947 in die Schweiz, wo man sie nicht haben wollte, und schließlich nach Amsterdam ist von den Auswirkungen des eben erst zu Ende gegangenen Krieges, von Not und Elend geprägt.

Abenteuerliche Geschichten um Verlagsgründungen stehen im Mittelpunkt der Thelenschen Briefe aus diesen Jahren, bis sich endlich das Werden der "Insel" abzeichnet. Und das sollte keine leichte Geburt werden. Die Briefe darüber sind aber ebenso lesenswert wie der Roman selbst.

Albert Vigoleis Thelen: Meine Heimat bin ich selbst. Briefe 1929-1953. DuMont, Köln 2010, 504 Seiten, 46,30 Euro




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Literarisches Buch

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