• vom 28.05.2010, 17:47 Uhr

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Update: 28.05.2010, 17:56 Uhr
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Ein neu aufgelegtes siebzig Jahre altes Buch und ein neuerer Bericht über eine Krisenregion

Tichy: Afghanistan


Von Thomas Kahler
  • Eine Nation ist das Land am Hindukusch nie geworden.
  • Herbert Tichy und Karl Wutt schildern eine fremde Kultur.
  • Zwei Bücher, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Zum einen Herbert Tichys "Afghanistan. Das Tor nach Indien" aus den 1930er Jahren, zum anderen Karl Wutts "Afghanistan von innen und außen", das eine Spanne von fast 40 Jahren umfasst, in denen der Autor das Land erkundet und mehr und mehr Zugang zur Kultur und den Menschen, die dort leben, gefunden hat.

Hundekämpfe (aber nie auf Leben und Tod) haben in Afghanistan Tradition. Foto: epa

Hundekämpfe (aber nie auf Leben und Tod) haben in Afghanistan Tradition. Foto: epa Hundekämpfe (aber nie auf Leben und Tod) haben in Afghanistan Tradition. Foto: epa

Herbert Tichys Afghanistanbericht erschien 1940 erstmals und wurde nun - mit Illustrationen von Herwig Zens - in der Edition Sonnenaufgang neu aufgelegt. Tichy, Reiseschriftsteller, Journalist und Photograph, geht der politischen Geschichte Afghanistans nach, das über Jahrhunderte ein Spielball der Machtpolitik europäischer Großmächte war und es bis zur Gegenwart geblieben ist. Hinzu kommen ethnische und religiöse innere Spannungen der Stämme und ihrer Clanführer, die bis heute die Identität Afghanistans prägen und sich Einflüssen von außen widersetzen.

Tichy skizziert ein historisch vielschichtig und präzises Bild der Situation Afghanistans unter Einfluss des Britischen Empires, für das die Kontrolle über dieses Tor nach Indien über mehr als hundert Jahre entscheidend war. Hinzu kamen die russischen und deutschen Interventionen seit dem späten 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre, als deutsche Militärberater am Aufbau des afghanischen Heeres maßgeblich beteiligt waren. Es ist ein heterogenes Bild einer Stammesgesellschaft, das da entworfen wird und erstaunlich den aktuellen Gegebenheiten - die maßgebende Rolle des Islam inbegriffen - entspricht. Der bewaffnete Kampf hat hier traurige Tradition, auch wenn die Gegner wechseln.

Eine Nation ist aus Afghanistan bis heute nicht geworden. Das Vorwort von Gudrun Harrer, Nahostexpertin der Tageszeitung "Der Standard", lässt zudem alles andere als positive Ausblicke auf zukünftige Entwicklungen zu. Zu nahe ist Pakistan, zu stark sind die extremistischen Tendenzen, die dort ihren Nährboden finden und sich immer wieder in Gewalt entladen. Das aber ist nur ein Aspekt.

Herbert Tichy: Afghanistan. Das Tor nach Indien. Neuauflage mit Illustrationen von Herwig Zens und Analyse von Gudrun Harrer. Edition Sonnenaufgang, 228 Seiten, 24,20 Euro




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Sachbuch

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