
(wt) Moderne Naturwissenschaft und der Glaube an einen Gott, der das Universum geschaffen hat, müssen kein Widerspruch sein. Zu diesem hochinteressanten Schluss kommt nicht etwa ein geistlich inspirierter Philosoph, sondern Josef Tomiska, theoretischer Physiker und Professor für Physikalische Chemie an der Uni Wien. Ihm gelingt es gekonnt, in seinem tiefsinnigen Buch - trotz aller Gegensätze - den Bogen zwischen mathematischer Logik und Mystik zu spannen. Schon Albert Einstein hat auf die Frage nach Gott geantwortet: "Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlose Vernunft". Allgemein verständlich - immer aber fachlich völlig korrekt - katapultiert Tomiska den Leser vor dem Hintergrund des aktuellen Wissensstandes in eine Weltsicht, die ins 21. Jahrhundert passt.
Dabei müssen wir die Welt heute völlig anders sehen als vor 100 Jahren und akzeptieren, dass unsere "Wissenschaft" zwar extrem erfolgreich ist, doch immer Menschenwerk bleibt, schreibt Tomiska zu Recht. Vor allem aber, dass unsere Welt so gestaltet ist, dass wir ihr Wesen vermutlich niemals wirklich erkennen, sondern immer nur in einem kleinen Teil von ihr eine Bühne aufbauen können, die nur eines kann: ein auf uns Menschen zugeschnittenes Bild unseres Universums vermitteln. Wir wissen nicht einmal, ob unsere Logik tatsächlich "die Logik des Universums" ist oder von anderen Existenzen arg belächelt würde. Was es für ein modernes Weltbild braucht, ist, endlich die "ratio" mit menschlichen Gefühlen in Einklang zu bringen, meint er. Es bedarf einer ausgewogenen Balance zwischen Gefühl/Glauben und Verstand, um ein holistisches Weltbild zu schaffen, das Wissenschaft und Religion ihren Daseinszweck ermöglicht und nichts ausschließt. Auch den Glauben an eine göttliche Vernunft nicht.
Josef Tomiska: Physik, Gott und die Materie - Warum Wissenschaft und Glaube kein Widerspruch sind. Ueberreuter Verlag, 207 Seiten, 19,95 Euro.