
(bbb) Manfred Wagner hat sich in die Bildungspolitik, europäische Geschichte, die Kunst- und Musikwissenschaft eingemischt - ohne Kompromisse ist sein leidenschaftlicher Einsatz für das Zusammenwirken von Kulturen in Europa, aber auch für die universitäre Transdisziplinarität. Dafür wird der Professor einer Lehrkanzel an der Angewandten von fachlichen Reduktivisten gerne totgeschwiegen. Deshalb legt er nach 1991 seinen zweiten Band mit Essays, Kritiken und wissenschaftlichen Beiträgen aus den letzten fünfzehn Jahren vor. Bei fast tausend Seiten wird das österreichische "nicht einmal Ignorieren" nun etwas schwerer fallen.
Immer wieder begibt sich der Autor auf Grenzgänge zwischen Malerei und Musik, offene Pfade seiner Studien, doch sind auch der gesellschaftliche Wandel, die Verluste und Gewinne durch die sich wandelnde Hochschulpolitik, ja selbst die Kunstkritik bei ihm am Prüfstand. Das genau geregelte Kunstsystem in Mozarts "Zauberflöte" zwischen Freimaurersymbolik und Modell eines vielschichtigen "Kosmos menschlicher Existenz" vermag in Kürze und Klarheit keiner so zu analysieren wie er.
Manfred Wagner: Europäische Kulturgeschichte. Böhlau Verlag, 922 Seiten, 69 Euro.