Historische Ereignisse wie der Sturz Milosevics werden aus der Perspektive des Korrespondenten ebenso persönlich erzählt wie eine seltsame Autofahrt von Kroatien nach Serbien aufgrund - aus nationalistischen Gründen - mangelnder Beschilderung oder ein lebensgefährlicher Zwischenfall in Mazedonien. Die Erlebnisberichte, 24 an der Zahl, mischt Wehrschütz mit historischen Exkursen und politischer Analyse - manchmal überaus geglückt, manchmal rutscht er etwas zu sehr ins Anekdotenhafte oder Belehrende ab. Die hie und da abrupten Themenwechsel passen allerdings ganz gut in die "Schluchten des Balkan", dessen Untiefen Christian Wehrschütz mit Mut zum Urteil, ohne Überheblichkeit und ohne Partei zu nehmen ausgelotet hat - entstanden ist dabei ein gut zu lesender Balkan-Bilderbogen.
Wehrschütz, Christian: Im Kreuzfeuer. Am Balkan zwischen Brüssel und Belgrad. Molden Verlag, 312 Seiten, 24,95 Euro