
(jw) "Die 100 wichtigsten Gebäude seit der Jahrhundertwende" möchte der im Metro Verlag erschienene "Architekturguide Wien. 20. & 21. Jahrhundert" vorstellen. Neben zahlreichen Bauten, die das Stadtbild in markanter Weise prägen, stellt das Autorenduo Valentin E. Wille und Barbara Pilz auch einige weniger bekannte Objekte, etwa die Autobus-Großgarage Leopoldau oder die Wohnsiedlung Pilotengasse, ins Rampenlicht. Indes lässt der Guide ein nachvollziehbares Konzept vermissen. Gelten die ausgewählten Objekte in architektonischer Hinsicht oder im Hinblick auf ihre Funktionalität als "die 100 wichtigsten Gebäude"? Warum wird die Wohnhausanlage Odeongasse als wichtig erachtet, während etwa das 1908/09 errichtete Palais des Beaux Arts in der Löwengasse, eines der schönsten Jugendstilgebäude der Stadt, oder die 1909 eröffnete französische Botschaft am Schwarzenbergplatz ausgespart wurden? Warum wird die Montagekirche hl. Kreuz als wichtiger befunden als die Moschee in Wien-Floridsdorf? Dutzende wichtige Gebäude haben die Autoren schlichtweg ignoriert. Es entsteht der Eindruck, dass hier in aller Eile ein Buch gemacht wurde. Von einem Architekturguide, der ein ganzes Jahrhundert umfasst, sollte man sich mehr Substanz erwarten dürfen. Das Wiener Allgemeine Krankenhaus wurde übrigens nicht, wie im Guide behauptet, 1693 von Kaiser Leopold I., sondern 1784 von Joseph II. gegründet.
Valentin E. Wille und Barbara Pilz: Architekturguide Wien. 20. & 21. Jahrhundert. Metro Verlag, 128 Seiten, 14,90 Euro.