
Der nüchterne und umso packendere Tatsachenbericht Inga Wolframs - sie ist Autorin, Regisseurin und hat zum Thema des Buches schon einen Fernsehfilm für die ARD produziert - müsste eigentlich jede DDR-Nostalgie ersticken. Als Frau von Klaus Wolfram erlebte die Autorin in den 70er Jahren mit, wie ihr Mann in einer Mini-Gruppe von Philosophiestudenten daran ging, die DDR positiv zu verändern. So etwas konnte nur Verrat und Konspiration sein. Fast naiv versuchten sich die "Täter" vor dem allgegenwärtigen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zu verbergen. Dazu gab sich der aus Westdeutschland in die DDR emigrierte Arnold Schölzel her. Er schrieb bei jeder Sitzung der intellektuellen Diskutierer für den Geheimdienst mit oder ließ das versteckte Tonband laufen. So entsteht ein ebenso kurioser wie tragischer Doppelbericht. Inga Wolfram lockert ihre Darstellungen immer wieder durch ausführliche Geheimdienstberichte auf, die nach der Wende ans Tageslicht kamen. Der "Verrat" kann heute also quergelesen werden.
Inga Wolfram: Verraten. Sechs Freunde, ein Spitzel, mein Land und ein Traum. Patmos Verlag, 306 Seiten, 20,50 Euro