• vom 04.09.2009, 13:47 Uhr

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Update: 04.09.2009, 13:48 Uhr
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Unsichtbare Bande

Zähringer, Norbert: Einer von vielen


Von Uwe Schütte
  • N. Zähringers Roman "Einer von vielen."

Dass die Dinge der Welt allesamt auf untergründige Weise miteinander verbunden sind, ist ein Aberglaube, den wir uns von der kausalitätsversessenen Wissenschaften nicht nehmen lassen sollten. Nicht nur im magischen Denken der sogenannten Primitiven spielt die Aufdeckung der wurzelhaften Verflechtung zwischen scheinbar Unverbundenem eine große Rolle, auch die Literatur vermag aus der Herstellung von Verknüpfungen eine nicht unbeträchtliche Faszination zu erzeugen, indem sie uns - im doppelten Wortsinne - vormacht, dass alles auch ganz anders erklärt werden kann, als nach den schnöden Gesetzen der Wahrscheinlichkeit.

Darin liegt auch das Verdienst des neuen, komplex verschachtelten Romans von Norbert Zähringer: "Einer von vielen", das ist der 1923 während eines Erdbebens in Kalifornien geborene Edison Frimm, der seinem Leben, wieder unter den Einwirkungen einer Erderschütterung, achtzig Jahre später ein freiwilliges Ende setzen will. Was sich dazwischen ereignet, schildert der Fabulierkünstler Zähringer unter bester literarischer Fruchtbarmachung der Chaostheorie, dabei drei Kontinente durchquerend und zwischen Slapstick und erschütternder Nacherzählung des Grauens während der Alliierten-Luftangriffe auf Berlin wie des Holocausts changierend.

Frimms erratischer Lebensweg ist aber zugleich kontrapunktisch bezogen auf die Biografie des am selben Tag geborenen Berliners Siegfried Heinze, was dank der virtuosen Erzähltechnik Zähringers zum zentralen Anhaltspunkt dafür wird, dass, wie Frimms Mutter Mary weiß, alle Menschen der Welt "durch unsichtbare, dünne Bande verbunden" sind. - Was auch für Schriftsteller gilt: Wer nach einem Deutsch schreibenden Thomas Pynchon sucht, wird ihn in Norbert Zähringer finden.

Norbert Zähringer: Einer von vielen. Roman. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, 486 Seiten, 22,90 Euro.





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