
Die in der Vorlesungsreihe behandelten Themen enttarnen die weitverbreitete Chimäre, wonach die Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte den Prinzipien einer freien Marktwirtschaft gefolgt wäre. Mises theoretische Ausführungen weisen die damaligen Zuhörer wie den heutigen Leser nachdrücklich darauf hin, dass die konjunkturellen Verwerfungen und die fortschreitende Geldentwertung nicht der freien Marktwirtschaft anzulasten sind, sondern allen voran der staatlichen Schuldenpolitik und der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken. Darüber hinaus war das Steuerjoch noch nie so schwer wie heute, noch nie besaß der Staat so viele Informationen über die Bürger wie heute und noch nie wurde das Leben der Menschen in so vielen Gesetzen reguliert wie heute. Dennoch hält sich beständig der Irrglaube, wonach wir in einer Epoche der freien Marktwirtschaft lebten.
Mises´ theoretische Ausführungen bezeugen die intellektuelle Distanz des von ihm vertretenen Ansatzes der "Wiener Schule der Ökonomie" zu den mit dem Etikette "neo-liberal" versehenen Ökonomen des "Washington-Consensus" und des Monetarismus. So soll Mises bei einem Treffen der Mont-Pélerin-Gesellschaft den wichtigsten Vordenker des Monetarismus, Milton Friedman, einen Sozialisten genannt und den Vortragsraum wutentbrannt verlassen haben. Friedmans Geldpolitik, die die Geldpolitik der Zentralbanken in den letzten Jahrzehnten maßgeblich prägte, sei in den Augen des glühenden Verfechters des Goldstandards nämlich inflationär und unterscheide sich dahingehend nicht grundsätzlich von einer Geldpolitik keynesanischer Prägung.
Fundamentalkritik an staatlichen Eingriffen
Nicht minder aktuell ist die im Buch vorzufindende Fundamentalkritik an staatlichen Rauchverboten und ähnlichen staatlichen Eingriffen in die persönliche Freiheit. Wenn es dem Staat gestattet ist, dem Menschen den Konsum von Genussmitteln zu untersagen, ist es nicht weit bis zu einer staatlichen Kontrolle sämtlicher Lebensbereiche. Die Regulierungswut der vergangenen Jahrzehnte bestätigt die Befürchtungen des 1973 in den USA verstorbenen Ökonomen.
Die Kritik von Mises geht allerdings einen Schritt weiter. Er sieht die Gefahr, dass sich der staatliche Interventionismus nicht auf den menschlichen Körper beschränkt, sondern sich auf den menschlichen Geist ausweitet. Abermals erweisen sich seine Ausführungen als prophetisch. Unter dem Banner solch euphemistischer Begriffe wie "Förderung" und "Qualitätssicherung", die allesamt Eingang in ein Neusprech-Wörterbuch finden würden, schreitet die Entmündigung der Eltern durch die Ausdehnung des Unterrichtszwanges in einem beängstigenden Tempo voran. Die von staatlichen Stellen bezahlten und dem staatlich-monopolisierten Bildungswesen entwachsenen "Experten" erteilen dieser, in ihrer Totalität historisch einmaligen Entwicklung den ideologischen Sanktus: wes Brot ich ess´, des Lied ich sing.