• vom 13.08.2015, 19:51 Uhr

Literatur


Europäisches Forum Alpbach

Prometheus 4.0




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Bildung und Forschung verringern Ungleichheit, meint Hannes Androsch. Und will dafür rasch 15 Budget-Milliarden.



Wien. "Die Gestaltung der Zukunft", so nennt sich das Buch, das Hannes Androsch in Alpbach vorstellt, und mit weniger gibt sich der ehemalige SPÖ-Spitzenpolitiker und nunmehrige Industrielle auch nicht zufrieden. "Wenn in ein paar Jahren auf der Autobahn ein Lkw fährt, der hinter sich zehn weitere Laster digital ohne Fahrer dirigiert, ist das die reale Zukunft. Wir können uns jetzt aussuchen, ob wir künftig arbeitslose Lkw-Lenker finanzieren oder ob wir Arbeitsplätze schaffen, die diese Revolution mitgestalten." Der unter Bruno Kreisky tätige Finanzminister fordert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" daher einen radikalen Umbau des Budgets.

15 Milliarden Euro, fünf Prozent der Wirtschaftsleistung Österreichs, sollten sofort in diese Bereiche fließen - ohne die Steuerleistung zu erhöhen, sondern in Form einer großzügigen Umschichtung von Budgetmitteln.

Information

Rat für Forschung und Technologieentwicklung (Hg): Die Gestaltung der Zukunft, Echomedia Buchverlag,
550 Seiten

Werbung

"Sozialsystem ist größter
Feind von Innovation"

"Der größte Feind der Innovation ist unser Sozialsystem. Die aktuelle Debatte um Kur-Aufenthalte geht doch am Kern der Probleme vorbei. Es geht darum, die Talente zu fördern: im Kindergarten, in der Schule, in den Universitäten. Wir verrennen uns in sinnlosen bürokratischen Themen, wie auch das Flüchtlingslager Traiskirchen zeigt. Ein Schweizer Unternehmen betreibt das Lager, obwohl das alle im Land befindlichen karitativen Organisationen besser könnten. Und dieser bürokratische Würgegriff setzt sich überall fort, sinnlos und teuer." Für Androsch ist Innovation eine der Lösungen, um Ungleichheit zu verringern und möglichst vielen Menschen Arbeit zu geben. "Wien ist nach der Zahl der Studierenden die größte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum, aber anderswo wird viel mehr Geld dafür aufgewendet. Stattdessen leisten wir uns teure Sozialleistungen wie die Hacklerregelung. Wir müssen die Budgetstruktur rasch ändern, viel Zeit haben wir nicht mehr", glaubt Androsch.

Im neuen Buch schreibt Philippe Aghion, ein französischer Ökonom, der in Harvard lehrt, dass innovative Unternehmen unabhängig von der Größe überdurchschnittlich häufig im Export tätig sind - eine Folge ihrer Wettbewerbsfähigkeit. "Offenheit erhöht die Produktivität des Unternehmens", so seine These. "Die USA sind hier deutlich weiter", sagt Androsch. "In Europa horten die Unternehmen Geld, anstatt es zu investieren. Das ist eine Folge der zu starken Regulierungen." Eine Meinung, die auch Aghion vertritt. "Zur Steigerung des Produktivitätswachstums in entwickelten Ökonomien ist es von Nutzen, verstärkt in Universitäten zu investieren, die Flexibilität der Produkt- und Arbeitsmärkte zu maximieren sowie Finanzsysteme zu entwickeln, die in hohem Maß nach dem Prinzip des Equity Financing funktionieren." Im Klartext: Bank-basierte Unternehmensfinanzierung - wie in Österreich üblich - führt zu geringerer Produktivität. Aghion plädiert für Markt-basierte Finanzierungen, etwa durch Wagniskapital für neu gegründete Unternehmen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Free books provided by Bookboon.com




Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Klimawandel bringt Konflikte
  2. "Heimat ist ein gefährlicher Begriff"
  3. Zerbricht der Westen?
  4. Anne Frank und die Generation iPhone
  5. Auffi, obi - und eini
Meistkommentiert
  1. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  2. Richtig ankommen
  3. Im Sand verlaufen
  4. "Heimat ist ein gefährlicher Begriff"
  5. Ausgespielt?

Werbung




Werbung


Werbung