• vom 20.10.2011, 16:58 Uhr

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Update: 03.11.2011, 16:55 Uhr
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"Begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses"

PeterLicht: Das Ende der Beschwerde


Von Andreas Rauschal

  • Der deutsche Autor und Musiker Peter Licht veröffentlicht sein fünftes Album.
  • Ersehnt: "Das Ende der Beschwerde" als Labsal gegen die Frustration.

Der Mann ohne Gesicht: PeterLicht gibt den Thomas Pynchon des deutschen Indie-Pop.

Der Mann ohne Gesicht: PeterLicht gibt den Thomas Pynchon des deutschen Indie-Pop.© Photographer: Christian Knieps Der Mann ohne Gesicht: PeterLicht gibt den Thomas Pynchon des deutschen Indie-Pop.© Photographer: Christian Knieps

Aktuell geht es darum, auch wieder einmal an das Gute zu glauben. Während die Nachrichten nahelegen, dass der große Krach erst bevorsteht, sagt die Frustrationstoleranz bereits heute: Es reicht! Der Autopilot wird daher auf Zweckoptimismus gestellt. Auf Geheiß der Therapeutin wandern die Mundwinkel energisch nach oben. Eventuell ist morgen auch noch ein Tag - ganz bestimmt aber wird es ein besserer sein.

Information

PeterLicht: Das Ende der Beschwerde (Edel).

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Der deutsche Autor und Songwriter PeterLicht hat sein neues Album programmatisch betitelt: "Das Ende der Beschwerde" bezeugt sein Bemühen, die Hoffnung nicht aufzugeben. "Du blickst in die Herde und wartest auf das Ende der Beschwerde und denkst dir: Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären!" Schneller als man denkt sind die Verhältnisse ohnehin wieder zur Stelle, um den Lauf der Dinge in gewohnte Bahnen zu lenken.

Der Künstler als Mysterium
"Sag alles ab!", würden Tocotronic entgegenhalten, wenn sich Licht nun auf Peter Sloterdijk ("Du musst dein Leben ändern") bezieht. Wenn auf seinem neuen Album auch Alltagsfluchten und Tagträume erklingen, ist der Kölner doch der Liedermacher einer längst in der Wirklichkeit gestrandeten (Pop-)Welt.

Ältere Songs aus seiner Feder tragen Titel wie "Wir sind jung und machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt", während das aktuelle Werk auch mit dem Wort "Altersvorsorgeaufwendung" auffällig wird. Der Umstand freilich, dass dem Mann schon immer der Schalk im Nacken saß, sorgt für einen eigenen Kosmos zwischen gelebter Ernsthaftigkeit, ironischem Bruch und ausdrücklichem Schabernack.

Bekannt geworden mit dem FM4-Hit "Sonnendeck" noch unter seinem Alias Meinrad Jungblut im Jahr 2001, war vor allem das Frühwerk des Musikers reichlich vergnügt angelegt. Lo-Fi-Sounds aus dem Heimstudio und Texte über die "lieben 68er" ("Danke für alles - ihr dürft jetzt gehen. Aber bitte ruft uns nicht an!") wichen auf Alben wie "Lieder vom Ende des Kapitalismus" einem volleren Bandsound und nicht nur hinsichtlich zwischenmenschlicher Problemzonen auch dem ernsteren Unterton.

Neben eingängigen Hooklines kam der Karriere auch Lichts Verwirrspiel zugute, sich selbst als Mysterium auszurufen. Fakten zu seiner Biografie verschweigt der Musiker dabei ebenso konsequent, wie er sich für die Öffentlichkeit nicht ablichten lässt. Siehe dazu seine Lesung im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2007, bei der er sich nur von hinten filmen ließ - und der später Publikums- und 3sat-Preis folgen sollten.

Gut ausinstrumentierter Akademiker-Pop
Während Licht zuletzt vor allem für das Theater arbeitete, ist auf seinem fünften Album musikalisch so weit alles beim Alten. Eingespielt mit seinem Produzenten Jochen Naaf, hört man darauf vor allem gut ausinstrumentierten Akademiker-Pop, dem die Neigungsgruppe Indie mit flirrender Unterhaltungselektronik etwas vordergründiger zuspielt als zuletzt.

Dazu legen es der nervös machende Opener und der kammermusikalisch umrahmte Rausschmeißer atmosphärischer an, während "Neue Idee" als Lichts Paradeformel des klavierbetonten Uptempo-Songs eifrig The Cure zitiert. PeterLicht entflieht dem Establishment ("Die Erfindung des Systems ist die Erfindung der Flucht"), lässt sich im eskapistischen Dunkel der Nacht wiederbeleben ("Drum führ du mich in die Nacht / Führ mich raus / Gib mir eine neue Idee / Schaffen wir uns ab"), er träumt sich hinfort ("In unbekannten Räumen / werden wir vom Unbekannten träumen / und du weißt wir sind frei") und strandet unter der großen Sonne, die bedeutungsschwanger alles Geld verbrennt.

Danach ist man zwar auch nicht schlauer. Es liegt aber nicht zuletzt an Zeilen wie diesen, dass die Mundwinkel - Schmäh ohne! - nach oben zeigen: "Begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses und tragt meine Kundenprofile zur Freibank. Und häuft Euch einen Zuckerberg!"




Schlagwörter

Peter Licht, Pop-CD, Pop

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-10-20 17:05:10
Letzte Änderung am 2011-11-03 16:55:19


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