"Im not old! Im hot, dont tell me Im not." Das ist keineswegs eine Textzeile aus Madonnas neuem Album. Dieser Appell stammt aus einem Sketch der britischen Kultkomödiantinnen French & Saunders. Vor einigen Jahren war Madonna das erklärte Lieblingsobjekt der beiden - im hier zitierten Clip trafen sie als Britney Spears (Dawn French, deren Übergewicht trefflich aus dem strengen Tanzanzug quoll) und Madonna (Jennifer Saunders, zunehmend dementer wackelnd) aufeinander. Saunders hatte in einem anderen Sketch schon gezeigt, was nicht so gestählten 50-jährigen Frauenkörpern passieren kann, wenn sie so tanzen wie Madonna im Video zu ihrer ABBA-Hommage "Hung Up" (2005). Nur so viel dazu: Ein Voltaren kann dann sehr helfen. Oder mehrere.
Ja, die Geriartrisierung eines Superstars ist ergiebig für Humoristen, man hat auch nicht oft die Chance dazu. Meistens werden sie ja nicht besonders alt. Andererseits muss man schon sagen: "Im not old. Im hot, dont tell me Im not." - Es ist halt trotz aller Ironisierung auch einfach: wahr. Mancher wird überrascht sein: Madonna ist 53 Jahre alt. Es ist nicht so, dass man da schon ein Bständig-Abo hat, im Rollator auf die Bühne fährt oder nur mehr Püriertes zu sich nimmt. 53 ist ein Alter, in dem auch Nicht-Superstars noch äußerst aktiv ihrem Beruf nachgehen können.
Das Alter als StrafeTrotzdem (oder vielleicht deshalb?) ist das der Diskurs der Stunde. Schon vor einigen Wochen hat sich die deutsche Schriftstellerin Sibylle Berg aufgeregt zu Wort gemeldet. Ihr Zorn richtete sich dagegen, dass es als peinlich angesehen werde, dass Madonna in ihrem Alter noch auf der Bühne steht. Dass es an der Zeit wäre, dass die Sängerin in Würde altert. Das wäre eine rein sexistische Reaktion - denn bei berühmten Männern ähnlicher Altersklasse, etwa George Clooney oder Brad Pitt, wäre das überhaupt kein Thema. Berg stößt sich schon an dem kleinen Satz: "Für ihr Alter sieht sie noch ganz gut aus." Da nimmt sie die Kurve zum Alltag aller normalen 50plus-Frauen, denen ihre gereifte Optik nicht ganz so wurscht sein kann wie der superreichen Madonna. Die diesen Satz aus der Kategorie "ambivalente Komplimente" entweder aus einem zusammengebissenen "Freundinnen"-Mund hören, deren Hirn sich währenddessen die notwendigen Botox-Rationen ausrechnet, oder von gleichaltrigen Männern, deren Blick dann lieber doch der zwanzig Jahre Jüngeren folgt. Die ersten Kritiken über das neue Album thematisieren denn auch mit Hingabe das Alter der Protagonistin. Der "Spiegel" fragt rundheraus: "Wird diese Frau denn nie erwachsen?" Die "Welt" geriert sich pathetischer und bezeichnet Madonna als "Weltkulturerbe". Was nicht so schmeichelhaft gemeint ist, wie es klingen mag.

Die Altersthematik rund um Madonna wirkt auch deswegen etwas schizophren, weil der Popstar selbst so gut wie nicht zu diesem Punkt Stellung nimmt. Und wenn doch, dann wird das kurz und schmerzlos abgehandelt: "Bei mir schreibt man immer das Alter zum Namen dazu. Das tut man, um mich damit zu bestrafen, dass sie mich daran erinnern und alle anderen auch." Auf die Frage, wer ihr ein Vorbild wäre, was den Umgang mit Alter angeht, nannte sie einmal Katharine Hepburn. Die spielte noch bis ins (wirklich) hohe Alter Theater und sagte einst: "In meinem Alter gibt es nicht mehr viel Auswahl an Rollen - gewöhnlich spiele ich eine alte Schachtel, die etwas daneben ist."
So weit ist es bei Madonna noch lange nicht. Auf der neuen Platte umgeht sie die Causa prima selbstverständlich: Niemand will auf der Tanzfläche etwas über 50plus-Themen hören. Denkt jedenfalls Madonna.
Mädchen im SpielhoserlUnd so ist die Popsängerin auf der neuen CD meistens eins: ein "Girl". Das ist nur konsequent, denn das war sie doch schon immer. In den 80ern war sie das "Material Girl", das sich als Marilyn Monroe verkleidet von Männern verwöhnen lässt. In den 90ern war sie das "Bad Girl", das gar noch Zigaretten rauchte (ganz abgesehen von ihren sexuellen Eskapaden und der Erfindung des weltweit ersten phallischen BHs). In den 2000ern wusste sie immer noch "What it feels like for a Girl". Ein Manifest der versteckten Stärke - von ihrem damaligen Ehemann Guy Ritchie humorvoll-brutal im Video als Amoklauf inszeniert. Auf "MDNA" hat sie nun eine ganz neue Erkenntnis parat: "Girls just wanna have some fun" heißt es da in dem fantasielos wummernden "Girl gone Wild". Das ist vielleicht ein bisschen gar dreist "zitiert" von Cyndi Lauper. Zumal sich Madonna kürzlich nicht sehr großzügig ihrer potenziellen Thronerbin Lady Gaga gegenüber erwiesen hat. Deren Lied "Born this Way" hatte sich stark bis schamlos an "Express yourself" orientiert - was dessen Urheberin wiederum mit den kühlen Worten "Es ist reduziert" quittierte. Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob das etwas Gutes bedeute, hatte sie gemeint: "Schlagen Sie es doch nach."
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