Andrew Bird ist einer von mittlerweile mehreren Musikern, die durch eine klassische Ausbildung mit deren teilweise seltsamem Regelwerk und Wertekanon gegangen und letztendlich in jenem disparatem Genre gelandet sind, das man als Pop bezeichnet - und das gerade Akteuren wie ihm einen Schub an kreativer Frische und stilistischer Entgrenzung verdankt.
Tatsächlich wird der Sänger, Geiger und Komponist, zu dessen hervorstechenden Merkmalen neben seiner Stimme, die Stahl schmelzen lassen könnte, einer Violine, die alles von Klassik über Jazz bis zu verschiedensten Folk-Stilen leichthändig zitieren kann, und einer soliden Gitarre vor allem das Pfeifen eingängiger Leit-motive und hübscher kleiner Einsprengsel zählt, gerne als Referenz für ähnlich sozialisierte Individualisten wie den Kanadier Owen Pallett angeführt.
Verglichen mit der formalen Disziplin und der Stringenz Palletts lässt Bird allerdings seiner Musik mehr Spielraum. Verschlungene Violin-Burlesken, Brücken aus agilen Akkustikgitarren und vertrackte Polyrhythmen prallen hier auf bisweilen durchaus grobkantige Riffs, werden interpunktiert durch sparsame Keyboards und aufgelockert durch einfachste Mittel wie Händeklatschen oder eben das Pfeifen. Diese Musik, die nach mehrmaligem Hören ein beachtliches Maß an Dynamik, innerer Energie und vor allem Spannung offenbart, findet neben der Begeisterung der Kritiker seit ein paar Jahren auch eine bemerkenswerte Publikumsresonanz. Mit seinem 2007er-Album "Armchair Apocrypha" überstieg Bird die Schallgrenze von 100.000 verkauften Tonträgern; dessen Nachfolger, "Noble Beast" (2009), erreichte Platz 12 in den Billboard Charts.
Selbst-Vervielfältigung
Erstmals von sich hören lassen hatte der 1973 in Chicago geborene Andrew Bird in den 1990er Jahren im Ensemble Andrew Birds Bowl Of Fire, in dem sich sein instrumentaler Aktionsradius noch auf die Violine und seine stilistische Reichweite auf die Tradition des Jazz, Blues und Folk beschränkte.
Weil seine Mitmusiker angesichts des miserablen finanziellen Ertrags nicht mehr mit ihm spielen wollten, war er irgendwann bald nach der Milleniumswende gezwungen, allein aufzutreten. Dabei kam er auf die Idee, sich via Loops zu vervielfältigen. Diese Technik hat er unabhängig von ihrer Brauchbarkeit als Ersatz für fehlendes Begleit-Personal bei Live-Konzerten auch für Studioaufnahmen nutzbar gemacht und verfeinert: Vor allem die Instrumentals, die er gerne in meist limitierten Sonder-Editionen veröffentlicht und die als eine zeitgemäße Interpretation von Ambient Music gedeutet werden können, profitieren von seiner Virtuosität im Umgang mit der Sampling-Technik.
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