Wer in diesem Jahr bisher nur auf (einst) große Namen setzte, wurde durchwegs enttäuscht. Die Platten etwa von Paul McCartney, der sich als Jazz-Crooner versucht, oder Bruce Springsteen, der die globale Wirtschaftskrise mit dem Holzhammer bearbeitet, sind genauso abgestanden wie jene mit Sinead OConnors (w)irrem Pathos oder Madonnas ewigem Girlie-Disco-Gehabe. Ausgerechnet der alte Langeweiler Leonard Cohen hat bisher noch das abwechslungsreichste Album vorgelegt.
Auf den kanadischen Grummler beziehen sich mitunter auch The Nits, ebenfalls alte Säcke, aber noch in bester Verfassung, wie "Malpensa", ihr insgesamt 25. Album, zeigt. Es ist, wie der Name des Mailänder Flughafens andeuten soll, als kleine Zeit- und Weltreise angelegt. Die drei Holländer (Sänger/Gitarrist Henk Hofstede und Drummer Rob Kloet sind seit Anbeginn, also 1974, mit dabei, Keyboarder Robert Jan Stips seit 1983) balancieren auf diesem schauplatzreichen Album u.a. mit Philippe Petit auf jenem Drahtseil, das der Franzose 1974 in New York zwischen den Twin Towers gespannt hatte ("Man On A Wire"), besuchen den Kairoer Tahrir-Platz und gehen über die Kölner Hohenzollernbrücke, auf der Menschen Vorhängeschlösser mit den Namen ihrer Liebsten anbringen, um dann die Schlüssel in den Rhein zu werfen.
Diese Nummer, "Love Locks", erinnert in ihrer getragenen Art besonders an Cohen. Aber es kommen auch aktuellere Assoziationen auf, etwa in der wunderschönen Ballade "Blue Things", die wie ein Song der englischen Guillemots klingt. Und "Schwebebahn", in charmant niederländischem Deutsch gesungen, ist eine ausdrückliche Hommage an Kraftwerk.
Der 8-Minüter "Bad Government And Its Effects On Town And Country" bezieht sich - trotz seines aussagefreudigen Titels - nur indirekt auf die gegenwärtige politische Situation in Holland, ist eben kein Holzhammer, sondern ein feiner Pinsel, denn der Song spielt auf ein (Wand-)Gemälde aus dem 14. Jahrhundert in Siena an - und ist als einziger, mit Trompetensolo und Doors-Orgel, etwas üppiger arrangiert. Ansonst gehen die Holländer, die 1987 mit "In The Dutch Mountains" ihren größten Hit hatten, mit dem Instrumentarium sparsam um, agieren, wie in ihren Anfängen, vermehrt elektronisch, aber in dezenter Einkleidung. Die meisten der elf Nummern sind von eleganter, entspannter Zeitlosigkeit.
Barockes Getändel
Bei "Thick As A Brick" geht die Zeitreise vierzig Jahre zurück. Damals, 1972, narrte Jethro Tull-Gründer Ian Anderson die Öffentlichkeit mit dem angeblichen Gedicht eines Achtjährigen, das Leben, Gott und Vaterland verunglimpfte, wie in Zeitungsausschnitten auf der Plattenhülle zu lesen war. Alles Mumpitz - und vom Flötisten und Sänger damals dreist ersonnen. Nun, im Jahre 2012, gibt es eine Fortsetzung zu diesem erfolgreichen Konzept-Album, wobei der damalige Junge, Gerald Bostock, auf wunderliche Weise zwei Jahre hinzugewonnen hat, da er in "Thick As A Brick 2" (der Titel wird übrigens gerne mit "Dumm wie Bohnenstroh" übersetzt) bereits als 50-Jähriger firmiert. Anderson, der im August 65 wird und sich seit vielen Jahren neben Richard Thompson als der zweite große Überlebende der englischen Folk-Rock-Szene erweist, reflektiert auf "TAAB2", was aus dem damaligen Schulbub alles hätte werden können, und schickt ihn durch fiktive Biographien als Banker, Soldat, Vagabund und Priester.
(dawa) 30 Jahre Originalklang mit dem Concilium musicum Wien, wenn das kein Grund zum Feiern ist. Kapellmeister, Komponist und Radiolegende Paul...
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(eb) Alles entweder stromlinienförmig oder absichtsvoll-justament-anders, was die jungen Pianisten von sich geben? Ja, gewiss...
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(dawa) Als wärs seine letzte Oper. Sehr persönlich, aber fast schon naturgemäß bühnenreif begegnet den Hörern Rossinis späte "Petite" Messe...
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Andere Herkunftssprachen als Englisch kamen für die "extra"-Popkritiker heuer kaum in Frage, wie vor allem die Gesamtwertung zeigt...
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