• vom 27.04.2012, 14:33 Uhr

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Update: 27.04.2012, 15:14 Uhr
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Auf seinem ersten Soloalbum, "Blunderbuss", hadert Jack White mit der Damenwelt - und überführt musikalische Tradition einmal mehr in die Jetztzeit.

White, Jack: Blunderbuss


Von Andreas Rauschal

White in Blue: Mit 36 Jahren veröffentlicht Jack White (The White Stripes, The Raconteurs, The Dead Weather) sein Solodebüt: Musikgeschichte für das Heute.

White in Blue: Mit 36 Jahren veröffentlicht Jack White (The White Stripes, The Raconteurs, The Dead Weather) sein Solodebüt: Musikgeschichte für das Heute.Foto: XL Recordings White in Blue: Mit 36 Jahren veröffentlicht Jack White (The White Stripes, The Raconteurs, The Dead Weather) sein Solodebüt: Musikgeschichte für das Heute.Foto: XL Recordings

Seit dem Beginn seiner Karriere in den späten 90er Jahren gilt Jack White als sanfter Sanierer der musikalischen Vergangenheit für eine Generation der zu spät Geborenen - und solchermaßen als großer Verführer. Als unbestrittenes Genie wie auch als latenter Schelm, was die Tradition (und die erneute Begehung ihrer breit ausgetretenen Pfade) betrifft, entwickelte sich der gelernte Tapezierer zum Alternative-Helden ebenso wie zum Big Player im Geschäft.

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Immerhin sorgte der in Detroit geborene Multiinstrumentalist gemeinsam mit seiner Exfrau Meg White als The White Stripes für die Rückkehr des Rock’n’Roll in die Charts, um, im Wissen um Garagenrock und Punk, einen Brückenschlag über die Ur-Suppe des Faches im Delta Blues zu ermöglichen. Abgesehen von seinen weiteren Bands, The Raconteurs und den von psychedelisch angehauchten Bluesrock-Jams bestimmten The Dead Weather, dürfen die Fäden mit seinen in Nashville ansässigen Third Man Records längst auch aus dem Hintergrund gezogen werden.

Von dort aus produzierte White alte Heldinnen zwischen Rockabilly (Wanda Jackson) und Country (Loretta Lynn) sowie zuletzt auch den ewigen Lumpi Tom Jones, wenn er die Öffentlichkeit nicht gerade mit dem James-Bond-Titelsong "Another Way To Die" im Duett mit Alicia Keys oder den Spaghetti-Western-Sounds von Danger Mouse und Daniele Luppi an der Seite von Norah Jones überraschte.

Verbale Patronen
Für sein Debüt als Solokünstler hat sich der 36-Jährige nun den Titel "Blunderbuss" ausgedacht - die beschworene Donnerbüchse feuert dabei vor allem verbale Patronen ab. Nicht wenige der dreizehn neuen Songs sind als Abrechnung mit der Damenwelt lesbar, die aber auch nach Whites Scheidung vom britischen Topmodel Karen Elson nicht autobiografisch gedeutet werden sollte.

Information

Jack White: Blunderbuss. (XL Recordings/Beggars Group)

Website Jack White
Jack White auf Youtube

Zum einen arbeitete White schon immer mit starken Frauen zusammen, zum anderen stimmt seine in aller Freundschaft mit der Freiheit beschenkte Ex in den Backgroundchor ein, während er selbst über physisch und psychisch verletzende Frauen sinniert oder sich über die fehlende Moral einer Verflossenen erregt, die auch noch ihren toten Bruder verkaufen würde.

Am ehesten scheinen diese Flüche als Blues des leidenden Mannes mit Whites Entscheidung zusammenzugehen, musikalisch abermals auf Hillbilly- und Wild-West-Szenarien zu setzen, in denen Männer mit allzu viel Manieren schon immer den Kürzeren zogen. Die Härte dieser meist mit gewohnt aufgekratzter Stimme vorgetragenen Zeilen gipfelt erstaunlicherweise in der Vorab-Single "Love Interruption", hinter der sich, von einer Klarinette umrahmt, die lieblichsten Klänge des Albums verstecken: "I want love to / roll me over slowly / stick a knife inside me / and twist it all around . . ."

Countrywalzer



Ansonsten bündelt "Blunderbuss" die Kernkompetenzen Whites, um ihnen die eine oder andere Facette hinzuzufügen. Trotz einer Fokussierung auf das Notwendigste, die den eingesetzten Mitteln wiederum maximale Bedeutung verleiht, ist die radikal-spartanische Ader von einst doch Geschichte: Fender Rhodes, Geigen und Klavier drängen mit ungewohnt lyrischen Motiven ins Klangbild, wodurch die besten Songs des Albums diesmal auch nicht im Haudrauf-Fach, sondern im Balladen- und Midtempobereich liegen: Das erhabene "Hypocritical Kiss" mit seinem Stummfilmklavier oder das Titelstück als Countrywalzer mit heulenden Steel-Gitarren untermauern Whites Grandezza als Songwriter mit Nachdruck. Abgerundet wird der erhebliche Folkanteil dieses Solodebüts von "Hip (Eponymous) Poor Boy", einem beschwingten Honkytonk-Schunkler, und dem von hübsch antiquierten Dosengesängen bestimmten "I Guess I Should Go To Sleep".

Das groovezentrierte Rudy-Toombs-Cover "I’m Shakin" wiederum zitiert den großen Bo Diddley, während "Trash Tongue Talker" den Rockabilly-Boogie gibt und White bei "Weep Themselves To Sleep" mit einem prototypisch durchgeknallten Knarz-Solo aufhorchen lässt. Nach 42 starken Minuten fehlt nur noch eines zum Glück: die Nachricht von einem baldigen Wien-Konzert.


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Schlagwörter

Musikkritik, Pop-CD, Extra

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-27 14:38:13
Letzte Änderung am 2012-04-27 15:14:55


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