
Dem Sänger und Gitarristen aus Sheffield eilte jahrelang eine Reputation voraus, der sein Erfolg bei der breiten Öffentlichkeit nicht wirklich gerecht wurde. Nach seinem vielgepriesenen Album "Trueloves Gutter" (2009), das mit großartigen Songs, Sentiment und atmosphärischer Dramatik prächtig ausgestattet war und mit viel Schmelz in der Stimme vorgetragen wurde, schlägt Richard Hawley nun mit seinem neuen, siebenten Album, "Standing At The Skys Edge", einen musikalisch forcierteren Ton an.
Er scheint beweisen zu wollen, dass er es auch einmal richtig krachen lassen kann - mit Gitarren-Feedbacks, treibenden Drums und psychedelischen Klangschüben. Neu erfunden hat sich Hawley trotzdem nicht wirklich. Der Arbeiterklasse-Crooner liebt nach wie vor Pop mit Sixties-Touch, genauso wie Britpop und rockigere Klänge; er verehrt unüberhörbar Roy Orbison, Elvis Costello und Paul Weller, und sein Bariton klingt mit 45 Jahren besser denn je - und dennoch verdichtet er seine Kunst auf bisher von ihm selten gehörte Art und Weise.
Im titelgebenden Song besingt Hawley die Menschen, die das berüchtigte Sheffielder Viertel Skys Edge bevölkern und wie ihnen ihr Leben zwischen Arbeitslosigkeit, Pub und Substandardwohnung langsam entgleitet, und beeindruckt mit ungewohnter musikalischer und textlicher Schärfe. Dunklere Momente überwiegen generell auf diesem Album, auf dem Wehmut vielfach durch Wut ersetzt wird. Es ist nicht weit entfernt von einem Meisterwerk.
Richard Hawley: Standing At The Skys Edge. (Parlophone / EMI)
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