• vom 18.05.2012, 14:19 Uhr

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Update: 18.05.2012, 15:01 Uhr
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Mit Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan haben die Soulsavers eine neue Gaststimme gefunden: "The Light The Dead See" vertont Erlösungssehnsucht mit Gospelchören.

Soulsavers: The Light The Dead See


Von Andreas Rauschal

Dave Gahan (l.) und "Soulsaver" Rich Machin.

Dave Gahan (l.) und "Soulsaver" Rich Machin.Steve Gullick Dave Gahan (l.) und "Soulsaver" Rich Machin.Steve Gullick

Als Nachfolger von Mark Lanegan als Gaststimme bei den Soulsavers und solchermaßen für ein schweres Erbe qualifizieren Dave Gahan vor allem zwei Dinge: Zum einen blickt der besser als Sänger der britischen Pop-Institution Depeche Mode und seit 2003 auch als Solokünstler bekannte Wahl-New-Yorker ebenso wie Lanegan auf eine bewegte (Drogen-)Karriere zurück, die ihm heute, gereift und geläutert, jene biografische Kredibilität verleiht, nach der die um Abwege und Irrgänge kreisenden Songs der Soulsavers schon immer verlangen.

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Zum anderen fand Gahans künstlerische Profilschärfung mit dem Album "Songs Of Faith And Devotion" im Jahr 1993 statt, als Depeche-Mode-Mastermind Martin Gore auf ein Mehr an Blues und Soul setzte, um Gahans seinerzeitiges Dilemma mit standesgemäßen Texten auf den Punkt zu bringen: Verbotene Früchte, Schuld, Sünde sowie der Wunsch nach Erlösung standen auf der Agenda.

Tournee-Bekanntschaft
Mit den Soulsavers und ihrem musikalischen Kopf Rich Machin machte Gahan 2009 Bekanntschaft, als Depeche Mode das britische Produzentenduo als Vorband für ihre Europatour einluden (und gemeinsam mit Mark Lanegan auch in die Wiener Stadthalle brachten). Nachdem die auch von der Entdeckung eines Tumors in Gahans Blase überschattete Konzertreise beendet war, hielt man weiterhin Kontakt - bis die bereits anvisierte Kooperation ohne Masterplan eingeläutet wurde und Gahan begann, für Machins erste, noch spartanische Demos Texte zu schreiben.

Während die Soulsavers auf ihren zentralen Alben, "It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land" aus 2007 und dem zwei Jahre später nachgeschobenen "Broken", neben Mark Lanegan auch noch große Namen wie Will Oldham, Mike Patton, Richard Hawley oder Jason Pierce (Spiritualized) ins Studio baten, trägt Gahan das nun vorliegende "The Light The Dead Sea" im Alleingang - einmal abgesehen von "In The Morning", bei dem Lanegan seine Grubenstimme aus dem Hintergrund erhebt und auch gleich für einen Höhepunkt dieser vierten Soulsavers-Scheibe sorgt.

Im Gegensatz zu Lanegans bevorzugt stoisch verwendeter Stimme zieht Gahan sämtliche Register, um ebenso still gen Himmel zu flehen wie laut aufzubegehren, womit der frisch gebackene 50-Jährige mit dem charismatischen Timbre auch alles richtig macht.

Als Schreiber hingegen noch dienstjung, setzt Gahan zu oft auf den offensichtlichen Reim und überstrapazierte Bilder. Tatsächlich muss man über Textzeilen wie "There’s no confusion / only black / No questions left to ask like / am I coming back?" erst einmal hinweghören.

Homogen und analog
Hinter den Texten versteckt sich die glatteste und homogenste Arbeit der Soulsavers bisher, die die elektronischen Ursprünge des Duos im Trip-Hop-affinen Down-tempo-Fach nicht mehr erkennen lässt. Ausschließlich analog aufgenommen und mit "echten" Ins-trumenten eingespielt, geht es auch über die Streicher von Daniel Luppi und dessen zuletzt gemeinsam mit Danger Mouse, Jack White und Norah Jones kultivierte Vorliebe für Spaghetti-Western bald hin zum Protosound eines Ennio Morricone: Die epische Fanfare kommt zum Auftakt folgerichtig mit Mundharmonika, Pauken und Klavier daher, ehe später auch noch Fender Rhodes, Orgel und klassische Soul- und Gospelchöre das Klangbild bestimmen.

Am überzeugendsten sind die Ergebnisse dort, wo - wie bei der Singleauskopplung "Longest Day", dem angesprochenen "In The Morning" oder dem zum Abschluss gegebenen "Tonight" -, sanfte Southern-Rock-Gitarren und Gruppengesänge im mittleren Tempobereich zum Kirchgang bitten. Eine besondere Portion Soulfulness wird mit "Take Me Back Home" verabreicht, während "Gone Too Far" mit seinem verschleppten Beat schließlich zur bitteren Anklage gerät und "Bitterman" langsame Mariachi-Trompeten ins Spiel bringt.

Danach stellt sich natürlich die Frage, wie Gahans wiederentdeckte Liebe für das Bodenständige mit Martin Gores jüngsten Techno-Studien zusammengehen soll: Das derzeit in Entstehung befindliche neue Album von Depeche Mode wird es 2013 erklären.


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Schlagwörter

Musikkritik, Pop-CD, Extra, Pop

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-18 14:26:27
Letzte Änderung am 2012-05-18 15:01:20


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