
Das Luxusproblem David Longstreths ist offenkundig: So viele Ideen - und nur so wenig Zeit! Der 30-jährige Kopf hinter den Dirty Projectors hat auf mittlerweile sechs Alben zwar seine spezifische Formensprache entwickelt, will diese aber nicht der Routine zweckwidmen - im Gegenteil.
Der verschrobene und häufig auch anstrengende Experimental-Rock der um Longstreth wechselnd besetzen Band ist auf der Suche nach neuen Ideen diesmal beim Song angekommen. Der Zugang ist vom Kopf in Richtung Herz gewandert, das Album ungewohnt eingängig ausgefallen. Gewöhnlich klingt "Swing Lo Magellan" deshalb aber noch lange nicht. Getragen von betont raffinierten Rhythmen und den Gruppengesängen seiner Mitstreiterinnen, setzt Longstreth auf starke Hooks. "Gun Has No Trigger" hält den Spannungsbogen zu knackigen Rhythm-and-Blues-Drums mit dem Chorgesang hoch, während "Dance For You" nahe an David Byrne heranrückt oder das Titelstück und "Impregnable Question" melancholischen Folkpop bieten. Am Ende erinnert Longstreth mit begnadetem Crooning auch noch an Elvis Presley.
Der Einfallsreichtum des Mannes bestätigt sich etwa, wenn ein symphonisches Zwischenspiel nur für wenige Sekunden einfällt, ehe der Song gleich wieder in eine ganz andere Richtung abbiegt. Kurz: Ein Kandidat für die Jahresbestenliste!
Dirty Projectors: Swing Lo Magellan. (Domino Records)
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