Eulen nach Athen zu tragen ist nicht ohne Risiko - und das gilt wohl auch für Beatles-Songs, die eine österreichische Formation ausgerechnet in Liverpool zum Besten gibt. So geschehen beim Streetfestival heuer im Juni. Aber es lief alles gut für Lovely Rita (LR), die seit 20 Jahren bestehende Band um Martin Stepanik (p, Elektronik) und Anne Marie Fürthauer (voc), die zuletzt 2011 das Album "Strollin Down Abbey Road" herausbrachte und Beatles-Songs in einer jazzigen Variante mit aufwändigen Arrangements intonierte.

Das Ergebnis ist homogen (als "Gesamtwerk") und hörenswert (in jeder einzelnen Facette) und bietet Neuinterpretationen von sehr bekannten Lennon/McCartney-Songs wie "Let It Be" oder "Eleanor Rigby", was auch in England gut ankam. Denn Lovely Rita erzeugen in den entschleunigten und solcherart auch entspannenden, stellenweise aber auch dramatischen Nummern, die jeder in der Originalversion kennt, eine spezifische Stimmung, angehaucht und angeregt vom Maschinensound der Hamburger Verladekräne (die auch auf dem Cover des Albums abgebildet sind).
Die Band kann auf ein beachtliches, musikalisches Spektrum verweisen, elektronisches "wiring" verfremdet den Sound, das Tempo wechselt unauffällig. Anne Marie Fürthauer liefert dazu einen angenehmen, unaufdringlichen und facettenreichen Gesang. Retortenaufnahmen, Playback und Overdubs sind verpönt, die Band wartet in der "großen Formation" mit Brassunterstützung und guten Stringarrangements auf.
Aber manchmal verspürt Martin Stepanik, der am liebsten auf seinem Blüthner-Klavier aus Leipzig spielt, auch Lust an ganz anderen Experimenten und improvisiert dann etwa allein in der "strengen Kammer" des Wiener Jazzclubs Porgy and Bess zu Claude Debussy. Bekanntlich hat auch Friedrich Gulda den innovativen Franzosen geschätzt. Das ist deshalb erwähnenswert, weil viel LR-Musik nahe Weißenbach am Attersee entsteht, wo Gulda vor 34 Jahren seine Lieblingsmusik auf fünf Platten in einem Zug aufgenommen hat (Amadeo 1978).
Die Besetzungen von LR wechseln mitunter, vor allem im Rhythmus-Bereich, aber im Kern und ihrer musikalischen Ausrichtung bleibt sich die Combo treu. Auf der letzten CD ist etwa Andi Lettner an den Drums zu hören, was bei der polyrhythmischen Struktur der Musik kein leichtes Unterfangen ist. Das bekamen seinerzeit auch die "Mothers of Invention" des Frank Zappa zu spüren, der knapp vor einem Konzert in Japan alle Songs auf Reggae umschrieb - und das dann doch wieder rückgängig machte.
Als Hommage an den in Baltimore geborenen Genius, der zu uns Österreichern einmal sagte, "Ihr müsst verrückt bleiben, auch wenn ihr Österreicher seid!", hat Stepanik ein Projekt über Zappas medienkritische Songs der Sechzigerjahre aufgegriffen ("Who the Hell is F. Z.", 2003).
Der in der Josefstadt wohnhafte Stepanik, der in Linz lehrt und auch Experimentalmusik betreibt, ist ein Soundkünstler und begabter Komponist. Seine Arrangements klingen selten "easy", aber stets interessant und führen in spannende Klangwelten, nicht unähnlich der legendären Formation Oregon. Gemeinsame Workshops mit dem Oregon-Bassisten Glenn Moore haben Stepanik im Vorjahr auch wieder ein Stück weiter gebracht. Und das kommt auch Lovely Rita zugute - vor allem live.
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