Wien. Der Albumtitel geht auf die gleichlautende Inschrift der Staatsflagge Nevadas zurück, die den alten (amerikanischen) Traum von Freiheit und Unabhängigkeit ebenso erklärt wie den Willen des aufrechten Mannes, für ihn in den Kampf zu ziehen. Wurde Nevada ("Battle Born") einst noch zum Bundesstaat geschossen, haben die Killers knapp 150 Jahre später aber ungleich privilegiertere Sorgen.

Es geht um jene Fragen des Alltags, die bereits Bruce Springsteen zur Flucht auf den Highway zwangen. Probleme mit der Frau, Troubles im Job und alles andere sonst, das die Pole Bleiben und Gehen zum Schussduell bittet. Undenkbar, hätte der Herrgott nicht in enger Zusammenarbeit mit Henry Ford das Automobil massentauglich gemacht, um Männern auf ihrer Durststrecke hinaus aus der Vorstadt ein Gefühl von Freiheit vorzutäuschen, nach dessen Genuss sie reuig in den Alltag zurückfahren dürfen. Nur wenn alle Stricke reißen - und alle Stricke reißen diesbezüglich nur im Traum -, geht es durch die staubige Wüste und nach einem Tankstopp im Motel zum einsamen Zapfhahn in die nächste Stadt und in ein neues Leben.
Alles ist Erinnerung
Von hinter den Glücksspielautomaten ihrer Heimatstadt Las Vegas aus haben die Killers diesen Topos schon mit der Muttermilch aufgesogen. Nach ihrer musikalischen Springsteen-Werdung mit dem Album "Sams Town" im Jahr 2006 kündeten auch die eigenen Texte zunehmend deutlich davon. Heute ist die Band um Sänger Brandon Flowers, die wie der Boss um große, nur von überdimensionierten Freiluftarenen fassbare Menschenmengen buhlt, im diesbezüglichen Endstadion (sic!) angekommen. In bis zum Bersten mit Pathos aufgeladenen Songs steht neben Fluchtgedanken, Durchhalteparolen und Kampfansagen vor allem die nostalgische Verklärung im Zentrum. Mit 31 Jahren versinkt Brandon Flowers auf eine Weise in der Erinnerung, die doch erstaunlich ist.
Das um keine Veränderung flehende "The Way It Was" stellt die entscheidende Frage: "Did you forget all about those golden nights?" So schön, schön war die Zeit! Wie auch im Rahmen der Feuerzeugballade "Here With Me", bei der Flowers von seiner Lieben nichts bleibt als ein paar verschwommene Handyfotos, schickt sich der gebrochene Mann gleich selbst in die Wüste: "I drove through the desert last night / I carried the weight of our last fight / Elvis singing ,Dont be Cruel / and I wonder if you feel it too / Its like were going under."
Entspannt von der benzinschwangeren amerikanischen Frischluft, erinnert sich der gute Lotsch im rastlosen Lumpi aber ohnehin an den Wertekanon und ein darin enthaltenes Kapitel namens Treue - die ungenierte Springsteen-Kopie "Runaways" endet im Zweifel mit der Selbst-Domestikation.
Der Rest ist ein Kampf gegen die Umstände. Es geht um das Niedergeschlagen-Sein, das Niedergeschlagen-Werden und vor allem um die glorreiche Wiederauferstehung danach, sowie um das Festhalten an alten Träumen. Mit dem von reichlich Lebensberatungspotenzial durchzogenen Seelentröster "Be Still" wird auch hier am Ende wieder alles gut sein müssen.
Unter Mithilfe von gleich sechs namhaften Produzenten, darunter Stuart Price (Madonna) oder Daniel Lanois (U2), regiert musikalisch handfester Mainstream mit gewohnt großer Geste und Hang zur Stadionhymne. Aufgrund dafür verwendeter Queen-Gedächtnis-Chöre und der im Sinne von Meat Loaf gerockten Operettengitarre klingt das mitunter karikaturistisch. Zwischen von Depeche Mode mitbeeinflusstem Pop ("Flesh And Bone") und hemdsärmeligem Straight-forward-Rock ("From Here On Out") ist ein weiterer Bestseller allerdings programmiert. Glory Days!
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