Wien. Vor sechs Jahren schien die Karriere von Nelly Furtado nicht nur wie geschmiert zu laufen. Dank zehn Millionen verkaufter Einheiten ihres damals erschienenen Albums "Loose" war sie als unkaputtbar wesentlich besser beschrieben. Der richtige Sound zur richtigen Zeit, festgemacht an einem Joint Venture mit Beatbastler Timbaland, dessen Produktionsgeschick Madonna erst zwei Jahre darauf (und damit deutlich zu spät) für sich entdeckte, ließ die kanadische Sängerin mit Nachdruck durchstarten.

Nach der gemächlichen Aufbauarbeit mit dem erwachsenen Pop-Rock ihrer Alben "Whoa, Nelly!" (2000) und "Folklore" (2003), deren positive Grundstimmung mit portugiesischen und indischen Anklängen befeuert und von Furtados sympathischer Erscheinung als Gegenentwurf zum sterilen Starbild einer Britney Spears mitgetragen wurde, ging damit aber auch der Verlust ihrer künstlerischen Unschuld einher. Mit sexualisierten Texten, aufgemotzten Hip-Hop- und R-n-B-Beats und der entsprechend Gangster-affinen Optik wurden neben den üblichen, beim Autofahren vor allem weghörenden Formatradiokonsumenten plötzlich auch halbstarke Jungmänner erreicht.
Vom Rest der Welt vergessen
Anstatt nach der anschließenden Welttournee an diesem Punkt anzuknüpfen, nahm Furtado im Jahr 2009 mit "Mi Plan" allerdings spanisch eingesungene Musik für die IG Latin Music auf und wurde vom Rest der Welt wieder vergessen. Lady Gaga, Rihanna und Katy Perry traten an ihre Stelle. Für Aufsehen sorgte die Frau aber immerhin mit dem von Medienberichten erzwungenen Outing, gegen harte US-Dollar für den Gaddafi-Klan aufgetreten zu sein - was vor allem aufgrund Furtados öffentlichen Eintretens für gerechte Verhältnisse bis hin zum Weltfrieden für etwas sorgte, das man gemeinhin als "schiefe Optik" bezeichnet, und die freiwillige Spende ihres Millionenhonorars nach sich zog.
Pop-Rock-Revival
Im Studio wurde währenddessen an neuem Material gebastelt, das nun unter dem Titel "The Spirit Indestructible" vorliegt, auch auf "Loose" hätte erscheinen können und dabei verdeutlicht, dass 2006 bereits lange zurückliegt. Überwiegend dem monotonen Groove satter Subbässe und ähnlich gut abgehangenen Hip-Hop-Formalismen verpflichtete Songs, die teils mehr ("High Life") und teils weniger ("Big Hoops") Melodie zulassen, stehen neben dem Globalisierungssound einer M.I.A. ("Parking Lot"), den Vangelis-Anklängen von "The Most Beautiful Thing" und einem im Pop-Mainstream schon lange nicht mehr gehörten Drum-n-Bass-Intermezzo. "Waiting For The Night" wiederum klingt wie für die Mallorca-Ausgabe von "Wetten, dass . . ?" maßgeschneidert.
Die Rückkehr zum grundsoliden Pop-Rock mit "Believers (Arab Spring)" wird seinem Titel entsprechend übrigens mit Textzeilen auffällig, die bestimmt krass politisch zu lesen sind: "This is the right time / Baby to be mine / And taste the good life." Nach dem kommerziellen Totalflop der beiden Singleauskopplungen ist Nelly Furtado aber zu wünschen, dass man zumindest den Albumtitel beim Wort nehmen kann. Stark sei ihr Geist!
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