• vom 29.06.2014, 12:00 Uhr

CDs


Pop-CD

Strand Of Oaks: Heal




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heimo Mürzl

  • Zauberwort Intensität

Unter seinem Künstlernamen Strand Of Oaks fabrizierte Timothy Showalter bisher hochemotionalen Indie-Pop mit starkem Americana-Einfluss. Zuvor war der in Philadelphia ansässige Musiker trotz seines auf den ersten Blick ein wenig furchteinflößenden Äußeren - man kann sich Showalter als Kreuzung aus Jesus, Jeff Bridges in der Rolle des Jeffrey Lebowski und der Stoner-Rock-Legende Brant Bjork vorstellen - einige Jahre als Lehrer tätig gewesen. Mit dem neuen Album scheint er nun die richtige musikalische Mischung gefunden zu haben. "Heal" ist das Missing Link zwischen Bruce Springsteen im Midtempo-Bereich, Gitarrenwänden à la Dinosaur Jr. und klassischem Power-Poprock.

Damit tappt er keinesfalls in die Retro-Falle. Intensität ist das Zauberwort von Showalter, der auf "Heal" elementarer Schlichtheit ebenso huldigt wie musikalischer Vielfalt. John Congleton als Produzent und Schlagzeuger Steve Clements sorgen für einen druckvollen Sound und mixen dichte Gitarrenklänge stimmig mit elektronischen Versatzstücken. Zusammen mit den anspruchsvollen Lyrics ergibt das ein Album, das einem reifen Alterswerk gleicht.


Lebensbejahend und befreit von Ängsten und Zweifeln, wirkt "Heal" mitunter wie ein altmodisches Singer-Songwriter-Werk mit Message, die in mitreißende Melodien und Refrains verpackt ist. Nicht selten sind es beinahe geradlinige Rocksongs, mit denen es Strand Of Oaks gelingt, Stimmungen aus einer Zeit der Unsicherheit einzufangen.

Persönliche Krisen - eine durch das unstete Tourleben in Mitleidenschaft gezogene Ehe und ein schwerer Autounfall, den Showalter und seine Frau nur mit Glück überlebten - bilden den Hintergrund für manche der Songs. "JM" wiederum, das siebenminütige Herzstück des Albums, ist eine Hommage an den im Vorjahr verstorbenen US-Musiker Jason Molina. Daneben beeindrucken Songs wie "Goshen ’97" mit J Mascis von Dinosaur Jr. an der Gitarre und das hitverdächtige "Shut In" mit seinen Springsteen- und Killers-Referenzen.

Strand Of Oaks: Heal. (Dead Oceans/Cargo)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Rezension, Musikkritik

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-06-27 12:38:08
Letzte ─nderung am 2014-06-27 12:47:31



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kühler Start für das Popfest
  2. Am Anfang das Ende
  3. Klarinettist Ernst Ottensamer 61-jährig gestorben
  4. Kantig mit großem Herzen
  5. Wagner bei sich zu Haus’
Meistkommentiert
  1. Lebenslust klingt heute bettschwer
  2. Musik als Raumschiff-Treibstoff
  3. Kantig mit großem Herzen
  4. Klarinettist Ernst Ottensamer 61-jährig gestorben
  5. Die atemlose Ewigkeit

Werbung



CD Klassik

CD

Benjamin Appl: Heimat. Sony Classical, 1 CD, ca. 14 Euro. (os) Wer in die Vorarlberger Lied-Mekkas reist, konnte schon Bekanntschaft mit Benjamin Appl schließen. Sonst ist der junge... weiter




CD-Kritik

Wiener Philharmoniker: 175th Anniversary Edition

Wr. Philharmoniker: 175th Anniversary Edition. DG, 44 CD, 1 DVD, ca. 149 Euro. (os) Zum 170. Geburtstag gab es eine Box mit ausschließlich Symphonien aus dem Aufnahmefundus der Deutschen Grammophon... weiter





Pop-CDs

9 / A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z



Werbung