• vom 12.07.2014, 10:00 Uhr

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Dakota Suite & Quentin Sirjacq: There Is Calm To Be Done




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Von Andreas Wirthensohn

  • Seelen-Soundtracks
  • Ein neues Album von Dakota Suite & Quentin Sirjacq.

Man mag es kaum glauben, aber selbst nach 17 Platten haben Dakota Suite aus Liverpool keinen Wikipedia-Eintrag. Chris Hooson, dem kreativen Kopf der Band, dürfte das reichlich egal sein. Seit er dieses musikalische Projekt 1996 zusammen mit David Buxton ins Leben rief, veröffentlicht er unbeirrt Album um Album, ohne sich um Trends oder Marktchancen zu kümmern.

Leben kann er nicht von seiner Musik, und so arbeitet er nebenbei als Bewährungshelfer für gefährliche Straftäter. Wirklich fröhlich scheint ihn das naturgemäß auch nicht zu machen, und so sind Platten von Dakota Suite stets ein Ausflug in eher gedämpfte Gefilde: bevorzugt langsame Tempi, dezente Instrumentierung, melancholischer Gesang. Songs zu schreiben, so scheint es, ist Hoosons Methode, seine depressive Grundstimmung im Zaum zu halten und zu "transformieren".


Irgendwo in diesem Dazwischen zwischen seelischem Abgrund und meditativer Beglückung ist auch die neue Scheibe angesiedelt. Mit von der Partie ist wieder der vorzügliche französische Pianist Quentin Sirjacq, in dem Hooson vor ein paar Jahren einen Leidensgenossen und kongenialen Musiker entdeckte. "There Is Calm To Be Done" ist schon die dritte gemeinsame Platte. Und wieder überwiegen die Instrumentalstücke, doch daneben gibt es auch Songs, in denen Hooson uns mit seinen gewohnt lyrischen Texten beglückt ("I seem to have grown myself a pair of old man’s hands"). Die Musik changiert irgendwo zwischen Folk, Pop, Lo-Fi, Jazz und klassischen Elementen, und alle Versuche, das, was Dakota Suite seit Jahren mit beeindruckender Konsequenz betreiben, auf einen Begriff zu bringen, sind vermutlich auf ewig zum Scheitern verurteilt.

Seelen-Soundtracks könnte man die Platten nennen, die nie nur Song an Song reihen, sondern Klanglandschaften entfalten. Selbst die Stille zwischen den Tönen ist ein wichtiger Bestandteil des Ganzen, das vor allem eines ausstrahlt: dezente Majestät. Dass Traurigkeit wunderschön sein kann, demonstriert kaum jemand eindringlicher als Dakota Suite.

Dakota Suite & Quentin Sirjacq: There Is Calm To Be Done. (Karaoke Kalk/Indigo)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Music, Rezension, Musikkritik

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-07-11 13:53:02
Letzte ─nderung am 2014-07-11 14:00:32



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