• vom 23.08.2014, 23:00 Uhr

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Frevert, Niels: Paradies der gefälschten Dinge




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Von Heimo Mürzl

  • Raffiniert ins Paradies
  • Das neue Album des Hamburgers Niels Frevert.



Niels Frevert, Ex-Sänger der Band Nationalgalerie, die es mit dem Hit "Evelin" 1993 auf die sechste Ausgabe der "BRAVO Hits" schaffte, wagte gegen Ende des alten Jahrtausends den Schritt in eine Solokarriere. Dabei überzeugte er von Beginn an als poetisch-melancholischer Singer-Songwriter, der so beiläufig wie tiefgründig zu erklären versuchte, was es mit dem Leben und der Liebe auf sich hat.

Die Mischung aus dunkel gefärbten Texten und eingängigen Melodien machte seine Songs unverwechselbar und Frevert erwies sich Album für Album als genauer Beobachter und musikalischer Seismograf gesellschaftlicher Entwicklungen. Nach vier Alben für Tapete Records wechselte der Hamburger für seinen nun vorliegenden fünften Streich zu Herbert Grönemeyers Label Grönland Records. "Paradies der gefälschten Dinge" spekuliert mit etwas mehr Radio- und Massentauglichkeit. Nicht ohne Grund meinte Frevert in einem Interview mit dem "Rolling Stone": "Ich werde den anderen den Bereich gehobener Mainstream nicht kampflos überlassen!"


Mit den zehn neuen Songs erweist sich der 46-Jährige abermals als singuläre Erscheinung unter den deutschsprachigen Singer-Songwritern. Wiekein Zweiter schafft er es, Plakatives und Elegantes, Subtiles und Banales, Alltägliches und Ausgefallenes mit den passenden Worten zu bündeln. Die detailverliebten Alltagsgeschichten werden von Frevert mit viel Sentiment und noch mehr Authentizität angereichert und widersetzen sich der Illusionsmaschinerie üblicher Popformate.

Zusammen mit seinem Produzenten Olsen Involtini (Peter Fox, Seeed) mixte Frevert mit geradezu aufreizender Lässigkeit und einem sicheren Gespür für stimmige Arrangements gediegen-raffinierte Songs mit sanft-samtenen Soul-Einflüssen und vorsichtig dosierten Folk- und Jazz-Rhythmen - eine Mischung, die von durchaus gutem Geschmack zeugt. So erinnert "Paradies der gefälschten Dinge" an die Kunst großer Vorbilder wie Gordon Lightfoot, Loudon Wainwright III oder Ed Harcourt.

Live am 21. November im Wiener B72.

Niels Frevert: Paradies der gefälschten Dinge. (Grönland Records/Rough Trade)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Music, Musikkritik, Rezension

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-08-22 13:59:08
Letzte nderung am 2014-08-22 14:13:27



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