• vom 31.08.2014, 11:00 Uhr

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Update: 25.11.2014, 09:30 Uhr

Pop-CD

Plant, Robert: Lullaby And ... The Ceaseless Roar




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Von Bruno Jaschke

  • Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant übt sich auf seinem zehnten Solo-Album in stimmlicher Zurückhaltung - und überzeugt mit afrikanischen Folk-Einflüssen.

Der gute Dinosaurier: Robert Plant meldet sich mit einem neuen Album zurück.

Der gute Dinosaurier: Robert Plant meldet sich mit einem neuen Album zurück.© Warner Der gute Dinosaurier: Robert Plant meldet sich mit einem neuen Album zurück.© Warner

Gegen solche Typen ist Punk erfunden worden: Als Sänger von Led Zeppelin verkörperte Robert Plant in den 1970er Jahren das Sinnbild des Rockstars, dem Erfolg und Größenwahn durch einen Nebel an Drogen in den Kopf gestiegen waren. Er warf sich bei Konzerten eitel in Pose, legte reihenweise Groupies aufs Kreuz und sonderte Sprüche ab wie "Wir sind mit so großem Abstand die Größten, dass ich nicht einmal weiß, wer die Zweitgrößten sind".

Heute ist klar: Robert Plant ist ein Guter. Zeuge seiner Integrität ist einerseits die Hartnäckigkeit, mit der er sich - ein einmaliges Konzert mit 20 Millionen Vorbestellungen in der Londoner O2-Arena im Dezember 2007 ausgenommen - einer Reunion von Led Zeppelin verweigert: Jener überlebensgroßen Band, die 1968 aus den Überresten der Yardbirds auferstand, deren Rhythm & Blues mit einer bis dahin beispiellosen Härte daherkam und so das kategorische Idiom "Heavy Rock" schuf, aus dem sich später als stilistische Reduktionsvariante Heavy Metal herausschälte.

Information

Robert Plant
Lullaby And ... The Ceaseless Roar
(Nonesuch/Warner)


Keine Nostalgie
Nicht, dass Plant das Zeppelin-Erbe nicht pflegen würde. Bei seinen Auftritten ist es prominent im Repertoire vertreten. Aber Klassiker wie "Black Dog" oder selbst "Whole Lotta Love" werden oft massiven Umdeutungen unterzogen. Musikgeschichte wird bei Plant - da unterscheidet sich der 66-jährige Brite von den meisten seiner Altersgenossen - nicht auf dem Altar der Nostalgie zele-briert. Denn das ist das andere schwergewichtige Argument, das für ihn spricht: Seine musikalische Entwicklung.

Diese ist insbesondere deswegen bemerkenswert, als bei Plants ersten Gehversuchen als Solist Anfang der 80er Jahre noch wenig darauf hindeutete, dass er sich je an den eigenen ergrauenden Locken aus dem Sumpf der Belanglosigkeit ziehen würde, in dem die späten Led Zeppelin abgetaucht waren. Als er sich schließlich Mitte der 90er wieder mit Jimmy Page zusammentat, um alte Zeppelin-Songs neu zu arrangieren, schien seine Marschroute überhaupt eine Einbahnstraße in Richtung Vergangenheit.

Nach der Jahrtausendwende aber war Plant plötzlich da: Bereits das Album "Dreamland" von 2002 konnte als Übung in stilistischer Vielfalt überzeugen. Der Nachfolger "Mighty ReArranger" stellte dann mit seiner vital-inspirierten Performance von Rhythm & Blues mit Weltmusik-Elementen einen genuinen Quantensprung dar. Es folgten das Grammy-prämierte "Raising Sand", auf dem Plant zusammen mit der Blue-grass-Musikerin Alison Krauss Songs aus dem klassischen und alternativen Umfeld von Folk, Country und Rhythm & Blues interpretierte, sowie der bemerkenswert poppige Longplayer "Band Of Joy", den er mit dem Begleitensemble gleichen Namens einspielte.

Polyrhythmen
Für sein neues Album " Lullaby And ... The Ceaseless Roar" griff Plant wieder weitgehend auf die Musiker von "Mighty ReArranger" zurück und ergänzte sie u.a. um den gambischen Musiker Juldeh Camara, der die Riti (eine einsaitige afrikanische Geige) spielt. Dessen Präsenz ist nicht einfach nur dekorativer Exotik geschuldet: Plant hat in den letzten Jahren wiederholt Afrika bereist (und bespielt) und sich mit regionalen Musikstilen befasst. Diese Auseinandersetzung manifestiert sich auf dem neuen Werk nun in der Integration afrikanischer Instrumente und Polyrhythmen, die auf faszinierende Weise mit westeuropäischem Folk, Elektronik und dynamischem, sehr ökonomisch dosiertem Rock vermengt sind.

Im Schlussstück "Arbaden (Maggie’s Babby)", einer exzellenten Transformation des von einem Traditional abgeleiteten Openers "Little Maggie", rappt Juldeh Camara auf Fulani (einem afrikanischen Dialekt). Plant selbst bedient sich des Sprechgesangs in "Turn It Up", einer galligen Beschwörung der Delta-Blues-Größen aus dem US-Süden, hält sich stimmlich aber ansonst ziemlich zurück. Stellenweise möchte man wünschen, der Sänger, der früher oft für sein "hysterisches Gekreisch" gescholten wurde, möge beizeiten doch etwas mehr aus sich herausgehen. Der aber hat die Platte selbst produziert - wer hätte es ihm also sagen sollen?




Schlagwörter

Pop-CD, Music, Extra, Musikkritik, Rezension

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-08-29 13:05:04
Letzte ─nderung am 2014-11-25 09:30:16



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