• vom 12.10.2014, 15:00 Uhr

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Update: 25.11.2014, 09:42 Uhr

Pop-CD

Moore, Thurston: The Best Day




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Von Uwe Schütte

  • Grandios gut: Thurston Moores zweites Soloalbum.



Das Ende von Sonic Youth, als Folge der Trennung von Kim Gordon und Thurston Moore, ist eine der traurigsten Episoden der jüngeren Popmusikgeschichte. Immerhin ist das Quartett über Jahrzehnte hinweg die konsistent beste Gitarrenband der Gegenwart gewesen. Von gelegentlichen Aussetzern abgesehen, türmten die glorreichen Vier aus New York mit ihren verstimmten Gitarren berauschende Noise-Feedback-Flächen zu erhabenen Lärmkathedralen aufeinander.

Hinzu kam die bewunderungswürdige Gratwanderung zwischen den kommerziellen Erfordernissen beim Majorlabel und den antikommerziellen Avantgarde-Alben im experimentellen Bereich von Free Jazz und Improvisation.


Als dann 2011 alles zerbrach, setzte dies wenigstens eine wahre Flut an Soloprojekten in Gang: Lee Ranaldos zwei Alben etwa, die einiges Herausragende enthalten; die großartige Kollaboration von Kim Gordon mit Bill Nace im konsequent noisigen Projekt Body/Head, sowie jene Alben, die Sänger Thurston Moore seitdem auf den Markt brachte.

Vom sanften Akustik-Werk "Demolished Thoughts" zum energischen, 2013 veröffentlichten "Chelsea Light Moving" mit der Band gleichen Namens. Dort klang Moore am ehesten so, als wolle er den Geist von Sonic Youth nochmals herbeibeschwören.

Und jetzt also "The Best Day", sein zweites Solowerk seit dem Split. Der Titel lädt geradewegs dazu ein, die neue Platte einfallslos als die bisher beste des heute 56-Jährigen zu bezeichnen. Doch was soll’s - es ist wirklich so. Man könnte geradezu glauben, Sonic Youth seien wiederauferstanden, so intensiv bearbeitet Thurston Moore beispielsweise bei "Forevermore" sein Instrument, während etwa "Grace Lake" jene zwingenden Gitarrendialoge über einem treibenden Beat liefert, die niemand sonst so bestechend beherrscht.

Auch die anderen Stücke folgen ihrem Eigensinn, fließen teils organisch durch offene Songstrukturen, dann wieder brettern brutale Akkordflächen kreischend gegeneinander - alles taumelt durcheinander, doch die Drums geben dem Chaos wieder eine Struktur. Grandios gut!

Thurston Moore: The Best Day (Matador/Beggars Group)


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Schlagwörter

Pop-CD, Musikkritik, Rezension, Extra

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-10-10 13:08:04
Letzte ─nderung am 2014-11-25 09:42:18



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