• vom 12.10.2014, 16:00 Uhr

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Update: 25.11.2014, 09:43 Uhr

Pop-CD

Caribou: Our Love




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Von Bruno Jaschke

  • Caribou-Kopf Dan Snaith spricht über sein neues Album "Our Love", Mathematik und Einflüsse des europäischen Films - und gastiert am 18. Oktober live in Wien.

Leichtfüßige und doch zügige Grooves: Dan Snaith und das neue Album "Our Love" unter seinem Alias Caribou.

Leichtfüßige und doch zügige Grooves: Dan Snaith und das neue Album "Our Love" unter seinem Alias Caribou.© Foto: Thomas Neukum Leichtfüßige und doch zügige Grooves: Dan Snaith und das neue Album "Our Love" unter seinem Alias Caribou.© Foto: Thomas Neukum

Pop und Mathematik: Eine solche Kombination betreibt man nicht unhinterfragt. Daher muss Dan Snaith in jedem Interview erklären, wie das zusammengeht: Musik für hedonistisches Tanz-Ambiente und ein Doktor der Rechenkünste. Der letzte Term will nicht nur schamhaft eine engräumige Wiederholung des Wortes "Mathematik" vermeiden, sondern erklärt auch Snaiths Sichtweise dieser seiner beiden Tätigkeiten. "Aus meiner Perspektive kombinieren sie sich nicht über den rationalen, methodischen Zugang, den Leute erwarten. Formeln waren nie der Grund für mich, Mathematik zu studieren", erklärt Snaith im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Vielmehr wird es ab einem gewissen Level eine sehr kreative und intuitive Sache - der Philosophie und der Kunst viel näher als den Wissenschaften. Mathematik ist musikalischer als Musik mathematisch ist."


Gestiegene Erwartung
Seit dem Album "Swim" von 2010 trägt Caribou, wie das Alias des 1978 im ländlichen Ontario geborenen und seit 2001 in London ansässigen Snaith heißt, das Breitentauglichkeits-Zertifikat. Der Nachfolger "Our Love" kann daher bereits auf Nachfrage bauen, sieht sich freilich aber auch mit einem gestiegenen Erwartungsdruck konfrontiert. Snaith seinerseits will mit "Our Love" so viele Leute ansprechen wie noch nie. Die überwältigend positive Resonanz auf "Swim" habe, so erzählt er, seinen Zugang zum Musikmachen verändert.

"Während ich früher Musik praktisch nur für mich selbst gemacht habe, habe ich hier wirklich überdacht, welche Musik ich mit anderen Menschen teile. Insofern ist das die am meisten nach außen gerichtete Platte, die ich je gemacht habe. Gleichzeitig - und vielleicht in Widerspruch dazu - ist es auch meine persönlichste Platte." Der Grund dafür ist vornehmlich, dass Snaith vor drei Jahren Vater einer Tochter geworden ist. Das hat ihn, den Studio-Eremiten, näher ans Alltagsleben herangeführt. "Bei Swim hatte ich 18 Stunden am Tag zum Musikmachen. Hier hatte ich ein paar Stunden, sonst war ich Papa."

Caribou ist wie ein musikalischer Spiegel des Dan Snaith. Dass dieser Spiegel heute - manifestiert in der enormen stilistischen Vielfalt und Komplexität der Musik - eine weite Perspektive einfängt, verdankt sich nicht nur dem Zuwachs an Erfolg und Familienmitgliedern. Es reflektiert auch die vielen Einflüsse aus anderen Kunstbereichen, die Snaiths Arbeit mittlerweile infil-trieren. "Am Anfang waren nur der Enthusiasmus, ein paar Produktions-Ideen und der unmittelbare Response durch die Musik. Da waren keine Einflüsse von außen. Dann folgte eine Periode, in der ich besessen war vom Autor David Foster Wallace und Filmemachern wie Werner Herzog oder Tarkowski. Das alles hat mir gezeigt, was künstlerisch möglich ist. Diese Möglichkeiten versuche ich auch in der Musik einzufangen. Meine Musik ist eine Aggregation aus vielen Dingen. Es ist wie bei einer Suppe: ich vermenge alles."

Angesichts solchen umfassenden Eklektizismus’ nicht verwunderlich, hat der LP-Titel "Our Love" wenig mit so etwas Simplem wie dem glühendem Furor akuter Verliebtheit zu tun: Per se kein emotioneller Heißläufer als Sänger und Texter, arbeitet sich Snaith vielmehr an einem eher universellen Liebesbegriff ab als an einer Art Welterklärungsmodell. Musikalisch umgesetzt hat er das auf eine Weise, die die Fans von "Swim" nicht enttäuschen wird, und doch noch einen Schritt darüber hinausgeht.

Viele Tempobremsen
Da sind einerseits die leichtfüßigen und doch zügigen Grooves, über die sich elektronische und handgemachte Klangschichten türmen; da ist natürlich Snaiths Stimme, deren nicht wirklich selbstbewusste Anmutung eigenartig gut zum offenen Charakter dieser Musik passt. Was dagegen ein wenig überrascht, sind die vielen Tempobremsen - die dank der mächtigen Rhythmusachse aber nie in die Sackgasse der Beschaulichkeit führen.

Begleitet haben Snaith auf "Our Love" u.a. Jessy Lanza, die auf "Second Chance" singt, und Owen Pallett, der mehrere Streicher-Arrangements beisteuert. "Diese Kollaborationen sind es, die in meiner Erinnerung besonders haften bleiben", erklärt der Musiker.

Live gastiert Caribou am 18. Oktober im Rahmen des Festivals "Electronic Beats" neben London Grammar, Omar Souleyman und Jessy Lanza im Wiener Museumsquartier.

Caribou: Our Love (City Slang/Universal)


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Schlagwörter

Pop-CD, Musikkritik, Rezension, Extra

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-10-10 13:08:06
Letzte ─nderung am 2014-11-25 09:43:37



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